Medizinisches

Allgemeines
Das Pilgern auf den Jakobswegen stellt eine körperliche Herausforderung dar. Das für viele ungewohnte Gehen mit dem Rucksack und auch die Tagesetappen verlangen dem Körper einiges ab. Es geht viel rauf und runter. Auch sind die Wege teilweise mit losem Geröll überzogen, so dass man wegrutschen oder umknicken kann.

Wer gesundheitliche Bedenken hat oder sich körperlich nicht ganz fit fühlt, der sollte sich vor der Reise von seinem Arzt das „O.K.“ geben lassen.

Wer auf dem Weg in sich hinein horcht und auf seine Körper achtgibt, der wird merken, wenn er an seine Grenzen kommt. Andere benötigen vielleicht einen „Anstoß“ von außen. Sei dankbar dafür, wenn andere Dich auf etwas hinweisen und block nicht gleich alles ab. Natürlich ist jeder Mensch anders, auch reagiert jeder Körper anders. Aber auch nicht jeder merkt sofort die Belastung. Dann kann es gut sein, mal einen Tipp von einem Außenstehenden zu erhalten.

Du kannst, bevor Du Dich auf den Weg machst, einiges tun. Du kannst, wie bereits gesagt, einen Check beim Arzt machen und Du kannst Deinen Körper trainieren.

Grundsätzlich kannst Du die Pilgerwege bis ins hohe Alter gehen. Sorge dann für kürzere Etappen oder lass Deinen Rucksack zur nächsten Herberge befördern. Mache es Dir selbst nicht zu schwer. Höre einfach auf Deinen Körper und mute Dir nicht Zuviel zu! 
Fitness und Ausrüstung testen
Ich habe im Vorfeld meiner beiden Caminos, Probewanderungen durchgeführt. Dies diente dazu, dass ich mich zum einen an die Belastung, also den Rucksack und die Strecke gewöhnen konnte und dann konnte ich bei dieser Gelegenheit auch gleich meine Ausrüstung testen. So habe ich z.B. festgestellt, dass meine Füße nicht genug Platz in den ursprünglichen Wanderstiefeln hatten, wenn ich mit einem gefüllten Rucksack unterwegs bin. Also, habe ich neue Stiefel gekauft. Wäre mir das auf dem Camino passiert, dann hätte ich ein dickes Problem gehabt.

Viel Trinken
Ich musste mich erst daran gewöhnen, bei jeder Gelegenheit meinen Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Der Körper verliert viel Flüssigkeit, aber nicht immer merkt man das, da die Sonne und der Wind so trocken sein können, dass der Schweiß sofort auf der Haut oder der Kleidung trocknet. Man merkt quasi nicht, dass man schwitzt. Also, das Trinken nicht vergessen! Ihr werdet mehr Flüssigkeit benötigen, als ihr glaubt!

Schuhwerk
Ich bin mit hohen Wanderstiefeln unterwegs gewesen, aber das ist kein unbedingtes Muss. Hier hängt es ganz davon ab, wie stabil Deine Sprunggelenke sind. Neigst Du häufig zum Umknicken, dann tag hohe Stiefel. Wenn Du mit Umknicken nie Probleme hattest, dann trag flache Schuhe. Du kannst flache Wanderschuhe oder auch Sportschuhe tragen, dass bestimmst letztlich Du selbst. Sei jedoch bei den gerölligen Abschnitten, von denen es einige wenige gibt, besonders vorsichtig, denn wenn Du umknickst, kann Dein Camino unter Umständen beendet sein.

Wanderstöcke
Wanderstöcke können Dich sehr gut bei Steigungen und insbesondere bergab, aber auch auf geraden Strecken  unterstützen. Richtig eingesetzt entlasten die Stöcke Deine Knie und die Oberschenkel. Ich bin jedes Mal mit Stöcken gelaufen und war sehr froh. Gerade bergab und bergauf bringen die Stöcke enorm viel.Die richtige Stocklänge findest Du mit Hilfe der folgenden Formel: Körpergröße x 0,68 m (Beispiel: 1,80 m x 0,68 m = 1,22 m, bergauf evtl. 5 bis10 cm kürzer und bergab evtl 5 bis 10 cm länger)

Blasen
Die Blasen sind nicht unbedingt der Freund des Pilgers und nur wenige Pilger bleiben von Blasen verschont. Im Vorfeld schwören viele auf Hirschtalg. Also probiere es aus. Schmiere Deine Füße ein paar Wochen vor dem Camino regelmäßig mit Hirschtalg ein. Nach der Tagesetappe freuen sich Deine Füße ebenfalls über eine Hirschtalgschmierung.  Einige schwören darauf, die Schuhe bei jeder Pause auszuziehen und die Socken trocknen zu lassen. Einige wechseln auch die Socken in den Pausen, um so ein „Durchweichen“ der Füße zu verhindern. Wenn Du Dir eine Blase eingefangen hast, dann habe ich die Besten Erfahrungen mit Tape gemacht. Schneide ein großes Stück Tape ab. Schneide die Ecken rund, damit das Tape nicht im Socken kleben bleibt und platziere dann, an der Stelle der Blase, eine einzige Lage aus einem Tempotaschentuch (Stichwort: Serviettentechnik). Das Stück Tempotaschentuch verhindert, dass das Tape auf der Blase festklebt. Einige schwören auch auf ein Blasenpflaster. Ich habe mit Blasenpflaster keine guten Erfahrungen gemacht. Die Pflaster lösten sich bei mir vom Fuß und wenn man dann das ganze Blasenpflaster wechseln will, reißt man häufig die Haut mit ab. Die Folgen sind dann große offene Wunden. 
kleine "Helferlein"
Druck- und Scheuerstellen
Seltener kommt es durch die Schulterriemen oder durch den Hüftgurt des Rucksacks zu Druck- und Scheuerstellen. Manchmal ist daran nur eine Falte im Shirt Schuld. Also, kontrolliere vor der Tagesetappe den Sitz Deiner Ausrüstung und Du kannst solche Probleme vermeiden oder mit etwas Sorgfalt in den Griff bekommen.

Rückenschmerzen
Häufig ist ein schlecht sitzender Rucksack oder ein Rucksack der falsch getragen wird an Rückenschmerzen schuld. Natürlich kann es auch einfach zu viel Gewicht sein, was Du mit Dir rumschleppst. Prüfe Deine Ausrüstung und „entsorge“ was Du nicht wirklich brauchst. Sitzt der Rucksack evtl. schlecht, dann bitte einen der Mitpilger hier mal einen Blick drauf zu werfen. Ich trage meinen Rucksack zum Großteil auf der Hüfte und „steuere“ nur mit den Schultergurten, ob ich den Rucksack dichter am Rücken tragen möchte und wie viel Gewicht ich meinen Schultern zumuten möchte.

Sonnenschutz
Die Sonne kann auf dem Jakobsweg recht intensiv strahlen. Bedenke, Du bist in Spanien und am Strand schmierst Du Dich auch mit Sonnencreme ein. Auf meine Caminos hatte ich eine Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 mit. Einen Sonnenbrand hatte ich nicht. Häufig reichte es mir, mich in der ersten Pause einzuschmieren (Arme, Beine und den Nacken) und dann ggf. noch einmal nach zu cremen. Das Gesicht habe ich mit einer „normalen“ Creme eingeschmiert, da ich es als unangenehm empfinde, wenn mir ein Schweiß-Sonnencreme-Gemisch ins Auge läuft. Auch den Kopf solltest Du schützen. Ein großer Hut hilft auf einigen Abschnitten des Weges (z.B. in der Meseta). Eine Kappe reichte mir in bewaldeten Abschnitten. Eine Sonnenbrille brauchte ich nicht. Die Sonne hat man auf dem Camino Francés fast immer im Rücken und so störte mich die Sonne nicht sonderlich.

Kleine Apotheke
Nehmt in jedem Fall die Medikamente mit, die Ihr regelmäßig einnehmen müsst! Seht auch zu, dass Eure dringend benötigten Medikamente für die ganze Strecke reichen. Ein Schmerz- und Desinfektionsmittel sollte auch nicht fehlen. Pflaster, Tape, eine Schere sollten ebenfalls zur Grundausstattung gehören.

Fazit
Den Camino schaffen nicht nur die „Supersportler“, sondern den Weg kann jeder schaffen, der es wirklich will. Nicht die körperliche Anstrengung führt in vielen Fällen zu einem Abbrechen, sondern häufig ist es der „Kopf“, der verhindern, dass man den Weg erfolgreich bewältigt. Hier kann Dir die Freude am Gehen des Wegs weiterhelfen. Auch kann es nicht schaden, wenn man weiß, warum man den Weg geht. Wenn Du ein körperliches Problem hast oder auf dem Weg bekommst, dann scheude Dich nicht, Deinen Rucksack zur nächsten Herberge, mit einem der zahlreichen Transportdienste befördern zu lassen. Lege evtl. auch eine zusätzliche Pause ein oder „skip“ mal eine Etappe mit dem Bus, der Bahn oder dem Taxi. Mache genau das, was vernünftig ist! Überlege Dir vielleicht auch, ob Du auf das Fahrrad „umsteigst“ und Deinen Camino einfach auf dem Fahrrad beendest. Genieße den Weg und alles was auf dem Weg passiert. Sehe das Positive und schöpfe hieraus Kraft. Glaube an Dich und Dein Ziel! Bedenke auch, Du kannst den Camino auch in Teilstrecken gehen. Oder suche Dir von vornherein den für Dich passenden Camino aus.

Ich wünsche Dir viel ganz viel Erfolg und ein herzliches buen camino!