Freitag, 30. September 2016

32. Etappe - Boente

27,1 km: Portos, Palas de Rei, San Xulián, Ponte Campaña, Casanova, Melide, Boente

In dem 8-Bett-Zimmer konnte ich recht gut schlafen. Wenn die beiden südafrikanische Damen ihre Socken nicht am offenen Fenster getrocknet hätten, dann wäre es auch morgens nicht so kalt geworden. So aber musste ich mitten in der Nacht, die wärmende Jacke aus meinem Rucksack holen und überziehen. Danach waren die Temperaturen o.k.!

Gegen 7:30 Uhr machten wir uns zu viert auf dem Weg. Heidi, Diana, Martin und ich.
Anfänglich war es noch dunkel, jedoch war der Weg bereits ausreichend erkennbar. 

Palas de Rei erreichten wir gegen 9 Uhr und holten und zunächst in der Kirche den erforderlichen Stempel für den Pilgerpass. Palas de Rei war recht überschaubar und schnell ließen wir die kleine Stadt hinter uns.
Pilgerfigur
Templerkreuz und Jakobsmuschel
Der Weg führte nun wieder durch ein Waldstück. Der weiche Waldboden ist eine wahre Wohltat für die Füße. Man hat förmlich das Gefühl über die Strecke zu „schweben“. Es ist nicht dieses reibende Gefühl wie auf Asphalt zu spüren, so dass die Blasen an den Füßen nicht noch wachsen. Wobei nicht alle von uns Blasen haben, denn Diana kann hier nicht mitreden. Was das Geheimnis von Dianas Blasenfreiheit ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Eventuell kommt der starke und leicht übermäßige Einsatz von Hirschtalg in Betracht. Aber wenn viel, viel hilft, dann hat sie wohl mehr als alle oder die meisten anderen richtig gemacht.
Eukalypuswald
Zurück zur Strecke. Das Rauf und Runter muss es wohl jeden Tag geben. Auch wenn es in der Streckenvorschau fast immer so aussieht, als ob alle Orte auf der gleichen Höhe liegen, so liegen die Orte zumeist erhöht. Und wenn die Orte im Tal liegen, dann geht’s gleichwohl dazwischen nach oben. Also ein tägliches Auf und Ab. Jedoch nur von der Strecke, denn „Durchhänger“ hatte ich bisher keine, was auch am fast durchweg schönen Wetter gelegen haben kann. Die zwei bis drei Mal Regen waren eher zu vernachlässigen. Also, das Wetter hat sich bei meinem Camino fast nur von der aller Besten Seite gezeigt. 


Auch die Herbergen waren fast immer sehr gut. Nur in Rocesvalles hatte ich Pech mit einem Bett im Keller. Über die Betten im Obergeschoss haben sich die meisten Mitpilger positiv geäußert. Wobei Roncesvalles zu den Municipals zählt.

Bedenkt man, dass sich die kirchlichen Herbergen ausschließlich durch Spenden finanzieren, kann man dort keinen großen Komfort erwarten. Bemerkenswert war in den kirchlichen Herbergen die Herzlichkeit und das Engagement, was in kürzester Zeit, für eine ganz besondere Atmosphäre gesorgt hat. 

Die Municipals, also die öffentlichen Herbergen fielen von der Sauberkeit, gegenüber den privaten Herbergen leicht ab. Die privaten Herberge glänzenden zum Teil durch kleine Zimmer (häufig: 4-Bett-Zimmer), durch eine gemütlichere und persönlichere Atmosphäre und häufig durch ein angeschlossenes Restaurant. 

Die Herbergspreise differierten zwischen einer Spende für die Kirchlichen, 3 bis 5 € für die Öffentlichen oder im Schnitt 10 € für die Privaten.
Pause unterwegs (Restaurant)

... der alte Mann ohne das Meer ... ;-)
A Ponte Campaña
Aber zurück zu unserem Tag. Martin blieb in Melide und Heidi ging mit Diana und mir weiter nach Boente. Dort wartete auch schon Sophie auf uns, die den Weg alleine gegangen war.
Melide
Gegen 16 Uhr kamen wir an. Schnell noch die Wäsche gewaschen und dann ein leckeres Abendessen bei dem ich mich noch länger mit Sophie unterhalten hatte und die Anderen derweil im Bett verschwunden waren.


Erkenntnis des Tages: „Ich hatte in der ganzen Zeit nix zu mekern!“

Donnerstag, 29. September 2016

31. Etappe - Portos

25,3  km:  Mercadoiro, Portomarin, Gonzar, Hospital da Cruz, Ventas de Narón, Ligonde, Airexe, Portos

Die Nacht war um 7:30 Uhr zu Ende, da es erst um 8 Uhr Frühstück gab. Bis alles wieder im Rucksack verstaut und das Frühstück verspeist war, verging noch etwas Zeit, so dass ich erst gegen 8:40 Uhr los kam. Heute waren wir zu fünft unterwegs. Neben Diana und mir, waren auch Sophie und Heidi, sowie Martin mit dabei. Diana kannte Heidi und Sophie bereits länger. Ich kannte die Beiden seit einigen Tagen. Martin hatte ich erstmalig in Ponferrada getroffen, als ich ihn nach dem Weg gefragt hatte. Seine Antwort war seiner Zeit sehr einsilbig und zudem wenig „hilfreich“ … Originalton: ‚da werden schon noch Pfeile kommen …‘, so dass ich davon ausging, dass er gerne allein gehen wollte. Zwischenzeitlich hatten wir alle jedoch sehr viel Spaß zusammen. Es passt insgesamt wohl sehr gut, so dass wir heute auch die selbe Herberge ansteuern werden.

So waren wir heute also zusammen auf den Weg nach Portos.

Martin, Heidi, Sophie, Diana, ich (v.r.)
Als wir losgingen hingen die Nebelschwaden noch im Tal um Portomarín und erzeugten eine ganz besondere morgendliche Atmosphäre. Märchenhaft hielten sich die Wolken im Tal. 
Die Sonne versuchte den Nebel aufzulösen, aber viel zu dicht waren die Schwaden, damit dies auf Anhieb gelang. Minütlich wechselte die Szenerie. Immer mehr war zu erkennen, aber dennoch blieb der Wolkenschleicher hartnäckig im Tal verankert.
Als wir Portomarin näher kamen, erkannten wir erst den Grund, für dieses besondere Schauspiel. Ein Fluss schlängelte sich durch das Tal und verursachte wohl den Nebel bzw. die Wolken. Über den Fluss führte eine gigantische Brücke direkt in die Stadt. Wir legten eine Pause ein. Aßen etwas, sammelten in der Kirche einen Stempel und verließen die Stadt über eine weitere Brücke.
Brücke vor Portomarin


da gehts lang
Der Weg stieg wieder einmal an und verlief durch einen Wald. Da der Wald natürlich ausreichend Schatten spendete, die Luft aber dennoch sehr schwül war, kamen wir zwar nicht sonderlich schnell voran, aber das wollten wir ja auch nicht.

Die Landschaft wechselte, nachdem wir den Wald verlassen hatten. Es wurde wieder offener und erneut konnte man weite Blicke genießen. Der Weg selbst ließ sich sehr gut gehen. Waldboden und Schotterpisten, sind hierbei einfacher als Asphalt zu laufen.

In Gonzar legten wir eine Mittagspause ein. Es waren nun ca. 13 ½ von 25,3 Kilometern geschafft, also ca. Halbzeit für heute.
Frisch gestärkt zogen wir gegen 14:15 Uhr weiter. Wir kamen durch kleinere Dörfer in denen immer wieder die Mais-Speicher zum Stadtbild dazugehörten. Jene Speicher, in denen die Maiskolben trocknen können und aufgrund der Konstruktion vor Ratten und Mäusen geschützt sind.
Das letzte Teilstück führte zwar entlang der Straße, war aber gut zugehen, da an diesem späten Nachmittag kaum Fahrzeuge fuhren.
Sophie, Martin, Diana, ich, Heidi (v.l.)
Gegen 17:40 Uhr kamen wir nach entspannten 9 Stunden in der Herberge an. Superfreundlich wurde uns alles gezeigt. Gegen 19 Uhr war ein gemeinsames Abendessen mit einer Suppe, Fleisch mit Spinat und Kartoffeln, einem Salat und einem Schokopudding. Sehr leckere Hausmannskost von den bisher freundlichsten Gastgebern in einer privaten Herberge! Großes Kompliment! Hier stimmt alles! … äh … bis darauf, dass es hier kein Handyempfang gibt und dass das WLan extrem langsam ist. Eine Oase der Ruhe!

Erkenntnis des Tages: „Man kann mit Freundlichkeit große Zufriedenheit erreichen!“

Mittwoch, 28. September 2016

30. Etappe - Mercadoiro

23,4 km: San Mamede, Sarria , Barbadelo, Marzán, Morgade, Ferreiros, Mercadoiro 

Wieder einmal waren wir nicht die Ersten, die sich heute morgen auf den Weg gemacht haben. Frühstück gab es im Aufenthaltsraum, zur Selbstbedienung. 

Gestärkt machten Diana und ich uns leicht zeitversetzt auf den Weg. Heute wollten wir mal bis Sarria alleine gehen. Zur gewohnten Zeit, also gegen 8:30 Uhr war ich unterwegs. 

Da wir von der Höhe nur auf noch auf 500 Meter waren, war es nicht mehr so kühl, wie noch vor Tagen. Leichter Nebel lag noch auf den Feldern und die Feuchtigkeit der Nacht lag noch in der Luft. 
Sarria war schnell erreicht und dort wartete ich auf Diana in einem Kaffee am Wegesrand. Es war noch ein halbstündiger Weg durch Sarria, bis das historische Zentrum erreicht war. In einem italienischen Restaurant holten wir uns einen Stempel für den Pilgerpass, da einem niemand genau sagen kann, ob wir nun ab Sarria, also auf den letzten 100 Kilometern einen oder zwei Stempel Stempel benötigen, um die Compostela, also die begehrte Auszeichnung bzw. Bestätigung für die erfolgreiche Begehung des Jakobswegs, zu erhalten. Also werde ich ab heute mindestens zwei Stempel pro Tag sammeln. Da mein Pilgerpass ohnehin fast voll ist, hatte ich mir bereits einen zweiten besorgt, der von nun an mit zu befüllen ist. 
Kunst in Sarria

Sarria
Aus Sarria führte der Weg über einen Hügel, dann steil bergab, über eine Brücke, in ein Waldstück. Das Rauf und Runter war recht anstrengend, so dass ich schon bald mein Langarmshirt verstauen konnte. 

Wir überquerte  eine Eisenbahnlinie und gingen mal wieder steil bergauf. Galizien zeigte sich auch auf diesem Teilstück wieder einmal von seiner hügeligen Seite. Durch den vielen Regen ist Galizien zu dem sehr grün. Viele Wälder und grüne Wiesen säumten auch heute unseren Weg.
fast in Rente! ;-)
In einem kleinen Dorf hinter der Ortschaft Rente, trafen wir in einem Restaurant auf Lennard. Unverkennbar in einer kurzen Hose mit einer HSV-Raute, war er sehr einfach als Deutscher zu identifizieren. Ich sprach ihn daraufhin an und wir gingen gemeinsam weiter. O.k. Lennards Tempo entsprach nicht ganz dem unsrigen, aber er gab uns die Möglichkeit mitzuhalten. Unterwegs und bei einem weiteren kleinen Stopp am Wegesrand erzählte er, dass er in zwei oder drei Tagen in Santiago sein möchte. Definitiv zu schnell für Diana und mich, da wir die Planung gerade wieder entzerrt hatten, so dass wir im Schnitt nur noch pro Tag 25 Kilometer zurücklegen müssen ... wobei „müssen“ ist wohl der falsche Ausdruck …
Lennard, Diana und ich (v.l.)
Ja, vier Tage und dann … bin ich in Santiago. Heute kamen wir an dem 100-Kilometer-Stein vorbei. Der Wegmarkierung, die mir noch einmal vor Augen führt, dass ich bald da bin ... dass es nur noch 100 Kilometer bis Santiago sind.
100 Kilometer bis Santiago
Da zu sein … nach 800 Kilometern … anzukommen nach 34 Tagen … ein Gefühl, was noch so unfassbar ist. Aber auch unfassbar ist, morgens nicht mehr in 5 Minuten durchs Bad zugehen, die Schuhe zu schnüren und loszugehen. Mal 6, mal 8, mal 10 Stunden und mehr unterwegs zu sein. Leute zu treffen … Leute wieder zu treffen … all die Herzlichkeit, der Menschen am und auf dem Weg ... all dies endet in 100 Kilometern. … und dann … was dann???

Es gab nicht einen Tag, an dem ich gezweifelt habe. Es gab nicht einen Tag an dem ich mich über die Anstrengungen beschwert habe oder an denen ich über Wehwehchen geklagt habe. 

Für jemanden, der nicht auf dem „Weg“ ist, ist es eventuell nicht so einfach zu verstehen, aber wer erst einmal bis hierher gekommen ist, also bis zum 100-Kilometer-Stein, der hat bereits 700 beschwerliche Kilometer hinter sich und blickt mit großer Freude auf die letzten Wochen zurück. Freude über die eigene Leistung. Freude über die vielen tollen Menschen und Begegnungen und Freude über die Einfachheit wie das alles möglich ist. Einfach … mit 8 Kilogramm Gepäck … oder etwas mehr ;-) … man muss man nur losgehen.

Wer hier eine große Selbstfindung erwartet oder wer meint, dass er in der Einsamkeit der Meseta Lösungen findet, der wird sicherlich enttäuscht. Wer den Weg annimmt wie er ist, wird immer wieder schöne Momente erleben. 

Eventuell ist es etwas früh für ein Fazit oder einen Rückblick, aber genau das hat mich heute beschäftigt. Genau das bewirkte der 100-Kilomter-Stein bei mir. Ein Stein … eine Zahl … ein Moment … einer von vielen Momenten auf dem Camino!
"HaPe-Style"
Nebenbei waren wir gegen 15:30 Uhr in der Herberge angekommen. 

Beim Abendessen saßen wir erstmalig in einer großen Runde (ausschließlich deutschsprachig) zusammen. Eine Gruppe, die sich zufällig auf dem Weg getroffen hat und nun einen schönen Abend hatte ... das ist auch der Camino!

Erkenntnis des Tages: „Was für den einen nur ein Stein ist, ist für den anderen ein Gefühl!“

Dienstag, 27. September 2016

29. Etappe - San Mamede

28,0 km: Alto do Poio, Fonfría, Filloval, Triacastela, Calvor, San Mamede


Heute morgen hingen die Wolken so tief, dass die Motivation, früh loszugehen, nicht sonderlich groß war. Zudem regnete es leicht. Da unser Wirt leider wohl zwei Tage lang Zahnweh hatte, denn sonst kann es wohl keine Erklärung für die Anhäufung der Unfreundlichkeiten geben, zogen es Diana und ich vor, in der gegenüberliegenden Herberge zu frühstücken. Dort war bereits der Kamin an und wir waren willkommen.

Die Gemütlichkeit „zwang“ uns länger als gewollt dort zu verweilen, so dass wir erst gegen 8:40 Uhr losgekommen sind. Uns schloss sich Inga an, die aufgrund leichter Blessuren heute eine kürzere Etappe geplant hatte. Diana und Inga kannten sich bereits von früheren Etappen.
Diana, Inga und ich (v.r.)
Das ungemütliche Wetter konnte kein Stimmungsaufheller werden, aber dennoch kamen wir gut voran. Heute ging es von 1.334 Höhenmeter auf 495 Höhenmeter herunter. Das erste Teilstück war viel weniger anstrengend als gedacht. Es fühlte sich fast gar nicht steil an. 
Nach einem kurzen Kaffeestopp kam so langsam die Sonne ganz zögerlich heraus. Um sich gegen die Wolken durchzusetzen bedurfte es allerdings etwas mehr an Ausdauer. 

Die Ausdauer hatten wir Drei in jedem Fall und waren daher gegen Mittag bereits in Triacastela … ca. 12 ½ Kilometer waren geschafft. Ein gemütliches Restaurant am Ortseigang und auch die Sonne, die sich endlich gegen die Wolken durchsetzen konnte, haben zum Verweilen und zur Mittagspause eingeladen. Für mich sollte es zur Stärkung ein leckerer Tomatensalat sein. Wirklich eine feine Sache.

Hier traf ich auch die beiden australischen Schwestern wieder, die ich bestimmt, seit einer Woche nicht mehr gesehen hatte. Auch Ben und Jezz traf ich zum Ende unserer Pause wieder. Die Freude war groß, zumal es Ben zwischenzeitlich viel, viel besser ging und er keine Probleme mehr mit seinem Bein hatte. Wir mussten jedoch weiter. So verabschiedeten wir uns auch von Inga und nahmen die restlichen 15 ½ Kilometer in Angriff.

Der Weg war weiterhin gut zu gehen. Es ging zwar immer Mal bergauf, aber der Weg führte durch Wälder und vorbei an Wiesen. Es war so komisch, wir wechselten nicht nur die Provinz, also nach Galizien, sondern schlagartig wurden aus Getreidefeldern, grüne Wiesen und urige Wälder.

Trotz der langen Strecke, waren Diana und ich nun hoch motiviert, dass Tagesziel auch zu schaffen. Wir wussten, dass es ein langer Tag werden wird. Aber nach der Mega-Etappe bis Molinaseca, konnte uns das heutige Teilstück eher nicht stressen. Ohne Zweifel war es anstrengend und schweißtreibend, aber irgendwie pass das Tempo von Diana und mir so gut, dass wir problemlos vorankamen. Auch die Gefällepassagen und die immer wiederkehrenden Steigungen konnten uns nicht mehr so zusetzen. 

Wir kamen immer wieder durch kleine und kleinste Dörfer, in denen die Viehwirtschaft unzweifelhaft dem Erwerb diente. Unverkennbar waren die auf den Straßen vorhandenen Hinterlassenschaften den Rindviechern zuzuordnen.

Am Wegesrand legten wir, gegen 16 Uhr, die letzte geplante Trinkpause in einem kleinen Kaffee ein. Dann hieß es, die letzten Kilometer bis nach San Mamede in Angriff zu nehmen. 

Zwischendurch ergaben sich immer wieder tolle Ausblicke in die angrenzenden Täler und auf die umliegenden Berge.

Gegen 18:00 Uhr, also nach 7 Stunden und 20 Minuten erreichten wir die wirklich sehr schöne Herberge von San Mamede.

Bis zum gemeinsamen Abendessen hatten wir noch eine Stunde für Duschen und Wäsche waschen. Zum Abendessen war für alle eingedeckt. Es gab vegetarische Küche … o.k., dachte ich … hoffentlich werde ich auch satt. Der erste Gang bestand aus Linsensuppe … mag ich normalerweise nicht … aber ich hatte Hunger … und siehe da … es schmeckte … sicherheitshalber nahm ich sogar einen Nachschlag, nur sicherheitshalber versteht sich … ;-) Also weiter ging es mit einem „bunten Salat“ und unterschiedlichen Aufläufen … auch lecker … dann gab es noch einen saftigen Kokoskuchen und Obst … ich war papp satt. … hmm, geht doch und das ganz ohne Fleisch! 

Wir blieben noch in einer größeren deutschen Gruppe beim Essen sitzen und klönten etwas, bevor es dann schlafen ging.

Erkenntnis des Tages: „Auch längere Etappen können mich nicht mehr schocken!“

Montag, 26. September 2016

28. Etappe - Alto do Poio

21,7 km: Vega de Valcarce, Ruitelán, Herrerías, La Faba, Laguna de Castilla, O Cebreiro, Hospital da Condesa, Alto do Poio


Die Nacht war etwas frisch. So langsam merkt man wie es, von Tag zu Tag, kälter wird. Die ersten Pilger machten sich bereits wieder sehr früh auf den Weg. Wir hielten es bis 7:30 Uhr aus und waren nach einem heißen Getränk aus dem Automaten, gegen 8:20 Uhr unterwegs. Wir, d.h. heute lief ich erneut mit Diana. 

Die kühlen Temperaturen am Morgen helfen nach wie vor flott voran zu kommen. Auch die Sonne wärmt mit zunehmender Tageszeit. 
letzter Blick auf die Autobahnbrücke
In Vega de Valcarce legten wir nach 3 ½ Kilometern eine Frühstückspause ein. Diesmal gab es Rührei und Brot, dazu wieder einmal ein Café con Leche. Frisch gestärkt ging es weiter. 

Es ging zunächst leicht bergab und dann, sehr steil durch einen Wald, bergauf. Eigentlich ein schöner Weg, aber auch sehr anstrengend. Mit kleinen Schritten und unter vollem Einsatz der Wanderstöcker quälten wir uns Meter um Meter den Berg hinauf. Die schöne Natur und die angenehmen Temperaturen halfen dabei. Auf den wenigen Flachstücken hatten wir Zeit zum Durchschnaufen.

mit der Zeit dreht sich alles
Nächster Halt: La Laguna de Castilla. Hier trafen wir dann Susann, Dianas Freundin, die auch hier über Nacht bleiben wird. Ich gönnte mit eine weitere Zwischenmahlzeit. Bevor es weiter bergauf ging. Insgesamt stieg der Weg heute von 629 auf 1.334 Meter an. Je höher man kam, desto schöner war die Aussicht in die umliegenden Täler und auf die umliegenden Berge.
La Laguna de Castillia

Nun kamen wir von Kastilien nach Galizien, der letzten Provinz auf dem Weg nach Santiago. Am Grenzstein haben Diana und ich noch schnell ein Erinnerungsbild gemacht, bevor es weiter bergauf ging.
Grenzstein Galizien
noch gut 160 Kilometer bis Santiago
Der Anstieg war zwar anstrengend, aber vom Untergrund gut zu gehen, da nicht so viel loses Geröll vorhanden war, sondern weitgehend Waldboden. Als wir nach O Cebreiro kamen, sahen wir aus der Entfernung bereits einige Busse. 

O Cebreiro ist in weiten Teilen ein künstliches Vorzeigedorf. Nur wenige Häuser sind ursprünglich. Die meisten Häuser wurden in neuerer Zeit, im alten Stil nachgebildet. Uns gefiel der „künstliche Ort“ nicht so gut, so dass wir nur kurz verweilten und dann weiter gingen. Einzig einen zweiten Pilgerpass habe ich hier gekauft, da mein Pass fast voll ist und ich auf den letzten 100 Kilometer, also ab Sarria, zwei Stempel pro Tag sammeln muss.
Nach O Cebreiro ging der Weg erneut durch ein Waldstück. Es ging rauf und runter. Nach dem Wald folgte eine Schotterpiste und dann waren es noch gut 5 Kilometer.
Zunächst mussten wir zum Alto San Rocke aufsteigen, auf dessen Passhöhe eine Pilgerstature stand.

Pilgerstature
… weiter gings! Erneut wurde der Weg steiler. Nur noch zwei kleine Orte und wir waren da. Unsere Unterkunft lag in Alto do Poio. Dort kamen wir nach gut 8 Stunden, also gegen 16:30 Uhr an.

kurz vorAlto do Poio
Zum Essen trafen wir noch zwei ältere Herren (78 und 74 Jahre), denen wir an jeder Steigung begegnet waren und zwei weitere Deutsche, Inga und Martin. Nach dem Essen war Schlafenszeit.

Erkenntnis des Tages: „Wer im Alter noch so die Berge raufkommt, wie die beiden älteren Herren, hat wohl alles richtig gemacht!“