In der Nacht zog bereits der angekündigte Regen durch. Es gab daher keinen Grund für mich, „zu früh“ aufzustehen.
Zunächst ging ich erst einmal gegen 9:30 Uhr zum Frühstück. Da ich das spanische Weißbrot so lieb gewonnen habe, gab es natürlich auch heute ein Bocadillo. Der Regen ging derweil, in einen leichten Nieselregen über. Da ich ohnehin meine Regenjacke an hatte, ging ich zum Kathedralenplatz, um zu schauen, ob Rosemarie oder Mireille bereits da waren, aber keiner war in Sicht. Ich wartete dennoch weitere 30 Minuten, in denen viele Pilger ankamen, von denen ich jedoch nur wenige kannte.
Dann beschloss ich mich auf dem Weg zum Gottesdienst zu machen. Nachdem ich um die Ecke kam, war die Überraschung groß … dort stand bereits eine Menschenmenge an, die sich über den gesamten Seitenbereich bis hinauf zur Treppe erstreckte … unglaublich … gefühlte 500 Meter ging ich bis zum Ende der Schlange und dies bereits eine Stunde, vor dem Beginn des Gottesdienstes!
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| das Anstehen der Massen! |
Im leichten Nieselregen ging es, einigermäßen zügig voran. Nach ca. 30 Minuten war ich in der Kirche, in der bereits alle Sitzplätze belegt waren. Nun gut, dann halt stehen! Bereits vor dem Beginn des Gottesdienstes, stimmte eine Nonne die Besucher ein und übte mit allen ein spanisches Lied. Die Besucher, die zu großen Teilen der spanischen Sprache nicht so zugewandt waren, taten sich schwer mit dem Gesang. Hingegen sich die Spanier größte Mühe gaben.
Kurz vor Beginn des Gottesdienstes wurde verlesen, wieviel Pilger gestern angekommen sind und wo sie gestartet waren. Da die statistischen Daten ausschließlich auf spanisch verlesen wurden, musste ich mich damit begnügen, mich unter denen, die in Saint Jean gestartet sind, zu suchen. Es war jedoch auch rauszuhören, dass einige von sehr weit viel weiter weg, ihren Camino begonnen haben.
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| die Figur des heiligen Jakobus (Hauptaltar) |
Mit dem anschließenden Einzug der Geistlichen begann dann der eigentliche Gottesdienst. Auch hier moderierte die schon bekannte Nonne, den weiteren Ablauf und stimmte mit einem wunderbaren Klang die Lieder an. Allein diese klare und wunderbare Stimme war schon einen Besuch wert!
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| das Santiago-Kreuz |
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| der heilige Jakobus mit Pilgerstab |
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| die heilige Pforte (nur im heiligen Jahr geöffnet) |
Der weitere Ablauf hatte eher für die Katholiken, als für mich einen Wiedererkennungswert. Nur vereinzelt erkannte einige Passagen vom Rhythmus und vom Klag her, gleichwohl empfand ich den Gottesdienst als sehr schön und auch trotz der vielen Menschen als sehr würdig.
Nur vereinzelt sah man Personen die an, m.E. unpassendsten Stellen, Fotos mit Blitz machten. Die Unart, den Ton an Smartphone oder Fotoapparat im kirchlichen Umfeld auf volle Lautstärke zu belassen, sollte m.E. von dem einen oder anderen mal überdacht werden. Sicherlich möchte jeder eine Erinnerung in Form eines Fotos mitnehmen, aber hierfür ist es nicht erforderlich, dass jeder in der Kirche den Bestätigungston wahrnimmt. Auch finde ich das Nutzen eines Blitzes in der Kirche, was zum Großteil auch verboten ist, für etwas zu rücksichtslos. Wenn man sieht, mit welcher Religiosität manch einer dem Gottesdienst folgt, „… so Endet die Freiheit des einen dort, wo die Freiheit des anderen Beginnt …“ (Zitat von Immanuel Kant, 1724 - 1804)! Denn schließlich ist es Kirche und kein Fotostudio.
Nach der Kommunion (Abendmahl) wurde der Gottesdienst mit dem Schwenken des 54 Kilogramm schwerden Weihrauchkessels, dem „Botaufumeiro“, beschlossen. Dieses „Spektakel“ lässt zum Abschluss alle etwas vergessen, wo sie sich den gerade befinden. Es ist jedoch auch besonders spektakulär, wenn der rauchende Behälter durch das Kirchenschiff „fliegt“ und hierbei dem Dach der Kathedrale sehr nahe kommt. Im Anschluss war der Gottesdienst dann beendet.
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| das Schwenken des Weihrauchkessels (Botaufumeiro) |
Ich verblieb noch einen Moment in der Kathedrale, bis die großen Menschenmassen abgeflossen waren.
Als ich raus kam, war es weiterhin regnerisch. Ich beschloss dennoch zum Kathedralenplatz zurückzukehren, da ich ja noch Hoffnung hatte, Rosemarie oder Mireille zu treffen. Und siehe da, kaum schaute ich um die Ecke, sah ich bereits Mireille. Als auch sie mich erkannte liefen wir aufeinander zu. Sie war gerade angekommen und sichtlich gerührt, dass ich mein Versprechen eingelöst habe und sie „in Empfang“ nahm. Sie sagte mir, dass sie sich sehr freut, mich zu sehen. Dann fragte sie mich nach Dominik, wobei ich annahm, dass er bereits auf dem Weg zu Flughafen war … aber nein! Genau in diesem Moment kam er auch auf uns zu! Ein wunderbarer Moment für Mireille, war doch Dominik in der Situation da, als sie Schwierigkeiten mit ihrem Geld hatte und Dominik anbot, den Transfer des Geldes über sein Konto abzuwickeln.
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| Dominik, Mireille und ich |
Anschließend ging Mireille in ihr Hotel, Dominik zum Flughafen und ich in ein Cafe.
Aufgrund des schlechten Wetters folgen nun einige Fotos vom Vortag. Santiago mit blauen Himmel sieht einfach schöner aus, als im Regen!
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| Uhrenturm der Kathedrale (ohne Minutenzeiger) |
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| Jakobusfigur oberhalb der heilige Pforte |
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| Kloster |
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| Kirche |
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| Staßenzug im historischen Viertel |
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| "Straßenschlucht" |
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| Eingang zum heutigen Hotel "Parador" |
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| Rückseite vom Hotel "Prador" |
Am Nachmittag kehrte ich dann für zwei Stunden auf mein Zimmer zurück und ruhte mich etwas aus. Das „Nichtwandern“ ist doch ordentlich anstrengend. ;-)
Am Abend war ich dann auf dem Weg, in ein Restaurant, was ich bereits kannte.
Aus einer kleinen Bar kam gerade Mireille raus, die mir mitteilte, dass ihr die feierlaunigen Amerikanerinnen in der Kneipe, etwas zu laut waren. Wir gingen daher gemeinsam ins Restaurant. Ein Holländer, der uns gegenüber saß, fragte uns, ob wir gepilgert sind, was wir natürlich ausführlich beantworteten. Er selbst war vor vier Jahren den Camino Francés gegangen und heute nur als Tourist in Santiago. Obwohl wir ihn an unseren Tisch baten, wollte er alleine essen. … irgendwie sah er aus wie Sasha Hehn … und wohlmöglich war er es auch. ;-)
Nun ja, wir genossen unser wirklich sehr gutes Abendessen, was zudem auch noch sehr günstig war. Ich hatte eine Art von Eintopf als Vorspeise und Rippen, also keine Rippchen, zum Hauptgang. Die Portion erregte etwas Aufsehen im Restaurant, da nicht viele Teile vom Schwein auf meinem Teller fehlten! Jean-Claude, ein Bekannter von Mireille gesellte sich noch zu uns.
Relativ früh, also gegen 21:30 Uhr traten wir den Rückweg an und so war ich auch zeitnah im Bett.
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| Abendstimmung auf dem Katheralenplatz |
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| Abendstimmung |
Morgen geht es dann zum Abschluss nach Fisterra. Mireille wollte, wie ich, den ersten Bus nehmen. Ich freue mich sehr über diese wirklich nette Begleitung!
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