Mittwoch, 31. August 2016

2. Etappe - Zubiri

22,7 km: Roncesvalles, Espinal, Viscarret, Lintzoain, Erro-Pass, Zubiri

Die Nacht in meiner ersten Herberge war grausig. "Licht aus" war Punkt 22 Uhr. Bereits nach wenigen Minuten begann der Erste im 24 Betten Schlafsaal mit dem Schnarchen. Keine 5 Minuten später stimmte der Zweite ein, so dass sich keine wirkliche Nachtruhe einstellen wollte. Eine Stunde glaubte ich, dass ich in jedem Fall noch einschlafen werde, aber es wollte sich trotz der Anstrengungen, einem Bier vor dem Essen, ein Wein zum Essen und einem kleinen Bier nach dem Essen, kein „Schäfchen“ zeigen. Mit Hilfe zweier Ohrenstopfen konnte auch ich endlich in das „Konzert“ einstimmen.

Am frühen Morgen wuselten schon die Ersten an ihrem Gepäck herum. Und mit voranschreitender Zeit, zum „Licht an“ um 6 Uhr in der Früh, war die Hälfte der „Insassen“ bereits „entlassen“. In nicht einmal einer halben Stunde war ich durchs Bad, habe die Wäsche abgenommen und zusammen gelegt und den Paule mit meinen Habseligkeiten vollgestopft. Dann ging es quer durch das Kloster, über die Straße, ins Restaurant zum Frühstücken. Pilger frühstücken offenbar sehr spärlich, so dass ich mir in Burguete bereits ein Brot mit Omelett zum mitnehmen gegönnt habe.

Ja, ich war also früh um 7:45 Uhr bereits wieder auf'm Weg.
Nebel am Morgen
Der Nebel lag noch magisch auf den Feldern, als sich der Pilgertreck wieder füllt. Nach einem schönen Flachstück ging es wieder einmal steil bergauf. Nach dem ersten Anstieg war mein zweites Frühstück fällig, um Kraft zu spenden. Hier traf ich Carmen aus San Francisco. Carmen ist Grundschullehrerin und beneidet die Lehrer in Deutschland darum, dass man die Klassen nicht nur ein Jahr betreut. In den USA ist es wohl so, dass nach einem Jahr, den nächsten Schülern, wieder den gleichen Stoff beizubringen ist. Aber aufgrund meiner ausbaufähigen Englischkenntnisse, kann ich hier natürlich keine Garantie übernehmen.
Carmen und ich
Gemeinsam erreichten wir Viscarett und trafen dort, in einem Kaffee, die 18 jährige Frankfurterin, Annemarie, wieder. Wir setzten uns hinzu und siehe da … Ian und Helen aus Victoria (Kanada) waren genauso, wie „das Mädel aus Taiwan mit der lange Jeans“, heute jedoch mit kurzer Jeans, bereits da. Ian und Helen hatten in der „Höllen-Herberge“ die Stockbetten neben mir und das Mädel aus Taiwan, war jedem aufgefallen (ihren Namen konnte ich mir leider nicht merken), da sie die erste Etappe von SJPdP mit Straßenkleidung ging und sich somit deutlich von „Funktions-High-Tech-Wanderern“ abhob. Ein nettes Mädel in jedem Fall. Sie hat in Frankreich eine Ausbildung gemacht und sich dann mal kurzen entschlossen den Camino zugehen … ganz schön taff!
Helen, "das Mädel aus Taiwan" und ich unter 2 Muscheln

Mit unserer „kleinen bunten Familie“ machten wir uns sodann auf den Weg. Es ging wieder endlos bergauf und dann über loses Geröll wieder hinab. Wie üblich teilte sich die Gruppe schnell und jeder lief in seinem Tempo.
Blick zurück, jep ... es war steil

angenehm wurde es auf den Flachstücken im Schatten

Carmen und ich sind dann tatsächlich gemeinsam gegen 14:45 Uhr, also nach insgesamt 7 Stunden, in Zubiri angekommen. Hier trennten sich unsere Wege. Carmen ging ins vorgebuchte Hotel und ich machte mich zur "Alberge Suseira" auf. 
angekommen


Zubiri

In der Alberge begrüßte mich super nett, mit einer kühlen Limonade Sergej aus Russland. Sergej betreibt die Herberge quasi alleine. Die Herberge war der Glücksgriff! Super sauber. 4 Zimmer mit je 4 Betten. Klasse Sanitäre Anlage, ein gemütlicher Aufenthaltsraum und ein Garten. Super! Top! 

Nach den Pilgerpflichten (Duschen, Wäsche waschen, ausruhen) geht’s nachher zum Essen.

Die Erkenntnis des Tages: „Sprache ist gut zur Verständigung, aber Sprache ist nicht Alles!“