Mittwoch, 30. August 2017

11. Etappe - Orbaneja Ríopico

25,6 km: Villafranca Montes de Oca, San Juan de Ortega, Agés, Atapuerca, Orbaneja Ríopico

Die Nacht nach der gestrigen Etappe war o.k. … wie ein Stein habe ich jedoch nicht schlafen können, da mir doch etwas mehr Körperteile wehtaten als sonst. Nun gut, auf geht’s!

Gegen 7 Uhr stand ich auf, war kurz im Bad und dachte, ich wäre der Letzte, jedoch das amerikanische Pärchen neben mir, war weiter fest am schlafen. Jedoch nicht mehr lange, zwei spanische Radpilger waren der Ansicht, dass die Nach um 7:15 Uhr beendet sein muss und sorgten für ausreichend Beleuchtung im Raum. 

Die gewaschenen Sachen waren über Nacht nicht getrocknet, so dass ich in die etwas feuchten Klamotten steigen musste, die ich nicht mehr am Rucksack befestigen konnte. Da es sehr kühl war, startete ich mit dem langen Unterzieh-Shirt. 
Villafranca Montes de Oca
Bereits hinter der Herberge stieg der Weg steil an und als ich nach ca. 15 Minuten den höchsten Punkt überschritten hatte, war ich auch schon auf Betriebstemperatur. Also, ab hier ging es Kurzärmelig weiter.

Der Weg führte heute durch ein bewaldetes Gebiet. Die Sonne schien, der Himmel fast wolkenlos, dazu die kühlen Temperaturen am Morgen. Perfektes Wanderwetter. An einem Rastplatz gesellte sich „Ly“ (Kurzform von Lynette) zu mir. Sie kommt aus Australien und hat vor, den Camino bis Santiago zu gehen. Zurzeit hat sie heftige Probleme mit Blasen an den Füßen. Also, normaler Pilger Smalltalk! ;-)

Da heute auch keinen Sprintwettbewerb gewinne, gingen gingen wir gemeinsam weiter. Nächster Halt war die „Oase“. Ein Punkt auf dem Camino, der mit sehr viel Liebe zum Detail geschaffen wurde und an dem die Pilger auch häufig Obst und Getränke angeboten werden. Heute war der Stand jedoch nicht besetzt, so dass wir die Ruhe und die Sonne genossen. 
 Pause in der Oase
Ly fragte mich, was ich gegen die Blasen an den Füßen unternehme. Ich nutze Tape und kein Blasenpflaster. Da man ja immer alles dabei hat, wurden Ly’s Füße schnell mit Tape versorgt, worauf hin sie sagte, dass es nun sehr viel besser sein. Gemeinsam zogen wir weiter bis nach San Juan de Ortega. 
San Juan de Ortega
Frühstückspause
In einem Cafe legten wir eine Pause ein. Ly war nicht davon abzubringen mir für die Hilfe einen Kaffee auszugeben. O.k. gerne nehme ich diesen, aber das Bocadillo zahle ich natürlich selbst. Wir setzten uns zu einer Norwegerin, die gemeinsam mit ihrer 19 jährigen Tochter unterwegs war. Ruth, also die Tochter der Norwegerin, ist jedoch bereit voraus und übernachtet im selben Ort wie ich. Sie selbst wird den Bus nach Burgos nehmen, da sie auch Probleme mit den Füßen hat. Nun kam Ly mit ihrer Salbe zum Zug. Ja, Pilger helfen einander. 

Die nette Runde beendeten wir zu unterschiedlichen Zeiten, so dass ich wieder alleine unterwegs war.
am Wegesrand
Der Weg führte weiterhin durch einen bewaldeten Abschnitt und war weiterhin angenehm kühl.
allein unterwegs
Auf dem Weg nach Agés verschwand der Wald und es wurde schlagartig sehr viel wärmer. Dann führte der Weg bis Atapuerca direkt auf der Straße. 
pilgern auf der Straße
Dort schloss ich zu Maria auf, die ich bereits aus Nájera kannte. Maria’s Etappenziel war der nächste Ort. An ihrer Herberge verabschiedeten wir uns und bevor ich hinter der nächsten Ecke Markus traf, der sich vertreten hatte und nun ein Taxi bis Burgos nahm. Oh je, der Weg fordert seine „Opfer“.

Kurz vor dem Ortsausgang beschloss ich eine Mittagspause einzulegen, die ich mit einem Italiener und einem Mädel aus Israel verbrachte. Wir unterhielten uns über alles möglich und ich wäre gerne noch eine Zeit geblieben, aber ein 1.000 Meter hoher Hügel lag noch vor mir, also zog ich zeitnah weiter.

Zu Atapuerca ist noch zu sagen, dass hier die ältesten Menschen auf europäischer Erde ausgebuddelt wurden. Es gibt daher ein archäologisches Besucherzentrum und überall in dem Dorf findet man entsprechende Hinweise … aber ich hate ja noch den Hügel vor mir … also rüber geht’s!
Atapuerca
Der zunächst gut zugehende Pfad für an einem Militärgelände vorbei und wurde mit zunehmender Höhe sehr geröllig. Ich musste sehr aufpassen, da mir das Schicksal von Markus ja gerade erst bekannt geworden ist. Also, schön die Stöckchen nutzen und vorsichtig voran.  Irgendwie kam ich sicher und unversehrt oben an.
loses Geröll
Der Ausblick war sehr schön. Sowohl zurück, als auch nach vor. „Nach vorn“ konnte man sogar schon Burgos erkennen, aber dort werde ich ja erst morgen sein. 
Blick zurück
Blick nach vorn (Burgos ist schon zu erkennen)
Ein Schild mit einer Inschrift macht genau auf die sich öffnende Landschaft aufmerksam. 
"Sofern der Pilger die Berge von Navarra um Burguete bezwungen und die weiten Felder von Spanien durchquert hat, hatte er keine Aussicht schöner als diese genossen." Danke Günter für die Übersetzung!
Ich ging den Hügel langsam und vorsichtig herunter und konnte mich an dem Panorama kaum sattsehen. 
Nach zahlreichen Kurven, im letzten Abschnitt entlang der Straße, erreichte ich Cardeñela Río Pico.
Etappenziel erreicht
Die Herberge war gut zu finden und schnell war ich unter der Dusche. Dann das übliche Waschen. Im Garten traf ich auf Ruth aus Norwegen … ihre Mutter hatte ich ja bereits Mittags kennengelernt. Ich richtete Grüße aus und relaxte etwas mit Hendrick, den ich schon in Puente la Reina getroffen hatte. Henrick war mit einem Spanier und einer Chinesin unterwegs, alle sprachen deutsch und englisch miteinander. 

Beim Abendessen in großer Runde, war auch Bernd da, auch ihn kannte ich bereits aus Los Arcos, und noch ein brasilianisches Pärchen. Wir hatten alle viel Spaß und haben auch viel gelacht.

Die Nacht im 10-Bett-Zimmer, was aber nur mit 5 Personen belegt war, war angenehm kühl. 


Erkenntnis des Tages: Pilger helfen sich gegenseitig!

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