Sonntag, 12. August 2018

1. Etappe – Grado

29,4 km: Oviedo, Ules, Los Arroxos, Escamplero, Larracha, Grado

Heute morgen klingelte mein Wecker erst um 6:45 Uhr. Da die Anreise doch etwas wenig Schlaf mit sich gebracht hat und ich ausgeruht die 1. Etappe angehen wollte, hatte ich beschlossen auszuschlafen. Naja, was man so „ausschlafen“ nennt. ;-)

Ach ja, also, die erste Nacht habe ich natürlich im vorgebuchten Hotel verbracht. :-)

Nach einem wirklich sehr guten Frühstück machte ich mich gegen 8:30 Uhr auf den Weg. Da ich, im ersten Teilabschnitt, nicht den klassischen Weg gehen wollte, hatte ich tatsächlich die ganze Zeit meinen Reiseführer in der Hand. Dank der sehr guten Beschreibung, waren keine extra Kilometer (Umwege) erforderlich.

Zielgerichte schritt ich also los, und dann schon gleich die erste Kuriosität … da hat man doch tatsächlich, bei einer Treppe die steil nach oben führt, nach wenigen Stufen einen Absatz gemacht und eine Bank hingestellt. Ich will mal hoffen, dass das den ganzen Weg so weiter geht … das nenne ich mal altersgerechtes Pilgern! ;-)
Aufstieg mit vielen Rastmöglichkeiten
Mein Weg führte mich oberhalb von Oviedo entlang. Zunächst ging es durch eine Wohngegend für Wohlhabende und dann raus aus dem Umland der Stadt ins Grüne.

Mein erstes Ziel waren die Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo. Beide Kirchen sind seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe.
Santa María del Naranco
San Miguel de Lillo
Obwohl die beiden Kirchen verschlossen waren, fand ich, dass sich der Weg gelohnt hat. Die Alternativstecke führte nun steil bergauf und sorgte dafür, dass mein Flüssigkeitsverbrauch rasch anstieg. Mit einem Blick ins Tal stellte ich zudem fest, dass sich die tiefhängenden Wolken immer noch nicht aufgelöst hatten. Ich hingegen lief in der prallen Sonne. Was in diesem Moment schöner war, fiel mir schwer zu entscheiden. Ein Gutes hatte die Sonne in jedem Fall, meine zwei Liter Wasser wurden rasch weniger und mein Gepäck dadurch leichter.
der Aufstieg
Wolken im Tal! Kühe davor!
Nach dem alternativen Beginn, kam ich gegen 10:30 Uhr auf den klassischen Camino Primitivo und sah nun auch meine aller erste Wegmarkierung. Von nun an verschwand mein Reiseführer im Rucksack und ich folgte „Muscheln“ und „gelben Pfeilen“. Nun sah ich  tatsächlich auch die ersten Pilger, denn bisher waren außer mir keine „Rucksackträger“ zu sehen. Aber voll war es nun wirklich nicht! Ich sah mal einen „Rucksack“ vor mir und auch mal zwei Pilger hinter mir.
ein Zeichen!
So pilgerte und schwitzte ich denn nun so vor mich hin. Gegen 12:00 Uhr erreichte ich Escamplero. 

Direkt am Weg lag ein Restaurant mit Möglichkeiten draußen zu sitzen. Eine gute Gelegenheit für eine Pause. Dort traf ich dann auch Gaetano. 
Mittagspause in Escamplero
Gaetano hatte ich bereits auf dem Weg überholt und wir kamen ins Gespräch. Gaetano ist 62 Jahre und Italiener, einer von sehr vielen Italienern auf dem Weg, wie sich später herausstellen sollte. 

Er wollte genau wie ich, heute bis Grado gehen, aber er war der Meinung, dass es dort nur wenig Platz in der Herberge geben würde und dass es heute ja spät wird. Ich korrigierte ihn, lt. meinem allwissenden Reiseführer, gab es vier Herbergen und ich übersetzte ihm, was dort stand ins Englische. Unser Englisch war etwa auf dem selben Niveau und so klappte die Verständigung prima. Er entschied sich für eine kleine Pension mit dem einladenden Namen „Hotel/Restaurant Auto-Bar“, lt. Reiseführer direkt am Jakobsweg und mit gepflegten Zimmern (Einzelzimmer: 20 €). Kurz angerufen und das Zimmer war reserviert. Da die Pension auch mein Favorit war, rief ich anschließend dort an. Dies bekam dann auch Giuseppe mit, ein weiterer Italiener, der mit seinem Kumpel unterwegs war und ließ sich dann auch die Telefonnummer geben. Derweil kam eine weitere Gruppe Italiener (3 Personen) und was soll ich sagen, die nächsten Zimmer wurden reserviert … vielleicht hätte ich Provision nehmen sollen. ;-)

Gaetano fragte mich, ob wir ein Stück zusammen gehen wollen und siehe da gegen 13 Uhr waren wir gemeinsam auf dem Weg. 
auf'm Weg
Es war irgendwie lustig, denn wir redeten das ein oder andere Mal aneinander vorbei, aber die Zeit und die Kilometer vergingen schnell. Nun ja, mangels Aufmerksamkeit für den Weg wären wir fast mehrfach nicht abgebogen. Aber, alles ging dann doch gut! 

In einem kleinen Waldstück musste Gaetano abreißen lassen. Da wir ja in der selbe Pension übernachten, werden wir uns ja am Abend wiedersehen.
wieder allein unterwegs
Der Weg stieg nun wieder an, aber die Bäume warfen, in der Mittagshitze, noch großzügige Schatten. Trotz des leicht bewölken Himmels war es mehr und mehr heißer geworden. 

Nach ein paar Kilometern kam ich an einen Fluss, den Rio Nalón. Ein superschönes, einladendes Plätzchen für eine kleine Pause. Hier, im Schatten der Bäume und mit dem frischem Wind war es einfach herrlich. Ich wollte mich gar nicht wieder aufraffen, so schön war es hier. Aber, weiter geht’s!
Pause am Fluss
Der Weg führte heraus aus dem Schatten der Bäume, direkt auf eine Landstraße ohne Schatten. Auch das ist der Camino. 

Parallel zum Fluss ging es, weit oberhalb, auf dem glühenden Asphalt entlang. Na ja, geglüht hat der Asphalt nicht wirklich, aber etwas Mitleid von euch, kann ja nicht schaden. ;-)

Weitere ging über eine hübsche Brücke in Richtung Grado.

Brücke mit Aussicht!
Lt. Beschilderung an der Straße waren es noch 2 Kilometer … „a pies of cake“ quasi. Der eine oder andere Stammleser sollte sich herbei an den älteren Malteser aus Australien, George, vom Camino im letzten Jahr erinnern … alle anderen, Nicht-Stammleser können den Blog mal nach „George“ durchsuchen.

Zurück zum diesjährigen Camino. 

So ging ich also Richtung Grado. Kein Schatten und es wurde wärmer und wärmer. Im Schatten eines Bushaltestellenhäuschens leerte ich den Rest aus der 1 ½ Liter Wasserflasche. Dann schleppte ich mich und den „Paul“ weiter. 

Ich kam dem Vorort von Grado immer näher und an einer Tankstelle, ja tatsächlich an einer Tankstelle, besorgte ich mir Flüssigkeitsnachschub. 1 Liter eines spanisch Iso-Drinks verschwand erst in mir und kam dann über die Haut wieder raus. Man war das heiß! Ich saß sicherlich fast 20 Minuten im Schatten des Tankstellendaches … nicht so schön wie am Fluss, aber Schatten!

Dann setzte ich meinen Weg fort. Irgendwie war Grado auch nicht so hübsch. 36 Grad zeigte die Anzeige an einer Apotheke. Egal, weit kann es nicht mehr sein. Und dann, gegen 17 Uhr war ich da! Geschafft … und glücklich!
Grado - im Straßenplaster eingelassen
Bis zum Abendessen verbrachte ich die Zeit mit duschen, waschen und relaxen.

Dann ging ich zum Essen. Es gab ein Pilgermenü: Suppe, Schweinfleisch mit Pommes und Salat und zum Nachtisch ein Eis … und schubs waren die mühsam abgelaufenen Kilos wieder drauf! Egal, es war lecker! 

Bein Abendessen traf ich dann auch Gaetano wieder. Er kam eine Stunde nach mir an. Das sehr italienische Publikum ergänzten drei Deutsche (Susanne, Simone und Wolfgang) und ein Spanier.

Erkenntnis des Tages: Eine Pause am Fluss und zudem im Schatten der Bäume, kann der schönste Ort der Welt sein.

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