Nachdem sich Dieter und ich, in der Nacht erfolgreich gegen die feuchte Kälte gewährt hatten, wurden wir durch unsere „freundlichen“ spanischen Nachbarn aus dem Nachbarzelt, frühzeitig geweckt. Verschlafen war also unmöglich!
Gegen 7 Uhr ging ich zum Sanitärbereich und war dann zeitnah zurück im Zelt. Alles fühlte sich klamm an. Nur gut, dass ich die Socken und die Unterwäsche mit in den Schlafsack genommen hatte. Das Shirt hatte ich eh an und die Hose wird schon in der Sonne trocknen.
Um 7:30 Uhr war alles wieder im Rucksack verstaut und wir machten uns auf den Weg.
| auf nach Santiago |
Um 8 Uhr schrieb Christian dann, dass alle bei „Kilometro 15“ warten, da waren Dieter und ich jedoch erst bei Kilometer 17,638!? Ich schrieb zurück, dass wir nicht so schnell da sein werden und dass keiner warten muss.
Gegen 8:15 Uhr waren wir dann in Amenal und siehe da, da saßen Christian, Jutta und die Kinder und warteten auf uns in der Bar „Kilometro 15“, die aber ca. bei Kilometer 16,5 lang. Na toll … der Witzbold. ;-) Als sich das Wortspiel aufklärte, hatten wir est einmal etwas zu Lachen.
Das Frühstück war lecker und der Service ging zügig, aber die Gerüche aus der Kanalisation waren schon sehr streng.
Zu Sechst zogen wir weiter. Noch war es angenehm kühl, aber der Himmel war wolkenfrei, so dass wir wohl später den schönsten Sonnenschein haben werden.
Wir genossen den Weg und insbesondere schien Dieter nach ca. 2.500 Kilometern dem Ziel mit gemischten Gefühlen entgegen zu gehen. Auf der einen Seite war er müde von seiner seit 3 ½ Monaten andauernden Wanderung, auf der anderen Seite kenne ich dass Gefühl, wenn man nun nicht mehr jeden Tag 20 bis 30 Kilometer vor sich hat.
Wir kamen wieder einmal durch Eukalyptuswälder und wunderschöne Hohlwege.
| auf dem Weg |
| Hohlweg |
An einem kleinen ‚Santiago Denkmal‘, machten wir einen Stopp und warteten auf die anderen. Dann folgte das obligatorische Gruppenfoto.
| Gruppenfoto (von rechts: Jutta, Christian, Dieter, Sophie, Lena und ich) |
Wir hatten es nicht eilig anzukommen, wir wollten die letzten Kilometer genießen.
| entlang des Flughafens |
| Kapelle von San Pairo |
Es ging noch einmal bis zum Monte do Gozo leicht bergauf, aber noch waren wir nicht dort.
Ich hatte heute meine Stöcke am Rucksack gelassen und offenbar zeigte das Auf und Ab des Camino Primitivo einen entsprechenden Trainingserfolg.
Bald war Labacolla erreicht. Auch hier beschlossen wir noch eine Pause einzulegen. Durch Zufall war es die „Schwester-Bar von „Kilometro 15“. Auch diese Bar lag schön und hatte einen guten Service. Nicht immer sind wir auf dem Camino, auf eine so freundliche Bedienung gestoßen. Zu oft hatte man den Eindruck, dass nicht jeder seinen Beruf mit Freude ausübt. Aber hier war alles in bester Ordnung.
Frisch gestärkt ging es auf das nächste Teilstück.
Uns kam ein ungewöhnliche „Gespann“ entgegen. Ein Mann hatte einen Hund auf dem Arm und führte zudem einen Esel. Weiterhin lief auch ein Junge, vielleicht so ca. 10 Jahre alt, noch nebenher.
| dem Ziel entgegen |
| Brücke über einen Bach |
Ich hab zwar schon einmal Pilger mit einem Esel gesehen, aber der Junge passte nicht ganz ins Bild.
Ich denke, dass es sicherlich nicht leicht sein wird, für den Esel eine entsprechende Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Hier kommen wohl nur freundliche Bauern in Frage, die den Esel in eine Scheune oder auf eine Wiese lassen.
| Pilger mit Esel |
Die Highlights am Monte do Gozo sind, das Denkmal, dass an den Besuch des Papstes erinnert und die beiden Pilgerfiguren, die in Richtung der Kathedrale von Santiago grüßen.
| Monte do Gozo |
| Denkmal zum Papstbesuch |
| Pilgerfiguren (links im Hintergrund ist die Kathedrale zusehen) |
| Gruß an die Kathedrale |
So kamen wir dann auf der traditionellen Route in die Stadt. Das gab uns noch einmal die Gelegenheit für ein Foto, dass im Grunde, in keiner Sammlung fehlen sollte. ;-)
| fast am Ziel |
Dieter und ich machten uns auf die letzten Meter … durch die Altstadt und dann war es soweit, wir kamen durch den Torbogen auf den Kathedralenplatz.
Dann nur noch wenige Meter zu der im Straßenpflaster eingelassenen „letzten Muschel“ … wir waren da!
| das Tor zum Platz vor der Kathedrale |
| ich bin da! |
Der Camino Primitivo gilt, wegen seines ständigen Auf und Ab‘s, als der anstrengendste Camino und das stimmt sicherlich auch. Zudem ist der Primitivo nicht mit so vielen Bar’s oder Unterkünften frequentiert, so dass man nicht leicht irgendwo einkehren kann, aber er ist sicherlich einer der spektakulärsten Jakobswege.
Ich hatte einen riesen Respekt vor den Höhenmetern. Rauf ging ja fast noch, aber beim Runtergehen ist die Belastung für die Knie schon sehr hoch. Hinzu kam, dass sehr schöne Wetter, dass nun mal als Nebeneffekt, auch große Hitze mit sich bringt. Hier muss man auch das Trinkwasser, als zusätzliches Gewicht einplanen.
Am Ende wurde ich belohnt mit einer wunderbaren Landschaft, tollen Lichtstimmungen, tollen Menschen die ich getroffen habe und letztlich mit der Kathedrale von Santiago, ich ich zum ersten Mal ohne ein Baugerüst vor dem Hauptportal erleben darf.
Nicht nur wegen seiner Detailreiche, sondern insbesondere wegen seiner barocken Fassade, gilt die Kathedrale von Santiago, als eine der Schönsten. Mit dem Bau der Kathedrale wurde im Jahr 1075 begonnen. Bedenkt man die Größe des Bauwerks, dann ist kaum zu glauben, dass dieses alles ohne moderne Kräne und Maschinen möglich war.
So stand ich wieder einmal fasziniert vor diesem von der Sonne erstrahlten Bauwerk. Ich war da!
| Kathedrale von Santiago de Compostela |
Nachdem wir alle unser Ankommen auch verarbeitet hatten, gingen wir direkt ins Pilgerbüro, um unsere Compostella abzuholen.
Es war sehr voll, da, wie wir am Abend erfuhren, heute 2330 Pilger Santiago erreicht haben. Insgesamt haben wir ca. 2 Stunden angestanden. Aber alles Warten hat einmal ein Ende. So konnte ich meine Compostella stolz in den Händen halten.
| warten im Pilgerbüro (von links: Susanne, Dieter und ich) |
| voll ist es! |
| mit Compostella |
Für den Abend waren wir zum Essen verabredet und nach einer Dusche in meinem Einzelzimmer, das ganz in der Nähe vom Pilgerbüro lag, machte ich mich zum Treffunkt vor der Kathedrale auf. Kurze Zeit später waren alle da und wir gingen zusammen in ein Restaurant. Wir hatten zwar keinen Tisch vorbestellt, aber dennoch bekamen wir problemlos einen großen Tisch. Auch Simone und Wolfgang kamen kurz darauf hinzu.
| in geselliger Runde |
Wir hatten einen schönen Abend, den wir anschließend mit einem Gang über den Kathedralenplatz abschlossen.
Erkenntnis des Tages: Geschafft!!!
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