Mittwoch, 15. August 2018

4. Etappe – Samblismo

20,4 km: Tineo, Oubona, Campiello, Borres, Samblismo

Ich hatte die Nacht in einem Hotelzimmer etwas außerhalb des Stadtzentrums verbracht, dennoch war die Nacht etwas laut. Zunächst saßen Jugendliche auf einer Treppe, direkt vor meinem geöffneten Badezimmerfenster und dann, als ich endlich eingeschlafen war, ... dann gab es draußen einen heftigen Knall … es war ein Feuerwerk, dass mit dem lauten Knall eröffnet wurde.

Nach dem Eröffnungsknall ging das Feuerwerk in das übliche Dauerknallen über. Nun ja, das Feuerwerk war auch irgendwann zu Ende und dann konnte ich wieder sanft entschlummern.

Um 7 Uhr meldete sich mein Wecker. Etwas schläfrig machte ich den Wecker aus und blieb noch einige Zeit liegen.

Doch irgendwann muss auch ein müder Pilger aus den „Federn“! Nach dem Frühstück machte ich mich gegen 8:45 Uhr auf den Weg. Bis zum Zentrum waren es einige Meter zu gehen. 
Rathaus von Tineo
auf dem Weg
Vom Zentrum aus wusste ich, wie ich auf den Camino komme. Schon nach wenigen Metern ging der Weg steil nach oben und führte dann sehr schnell in einen schattigen Weg am Hang entlang. 

Man hatte die ganze Zeit einen schönen Blick in die Landschaft und nahm den stetigen Anstieg kaum wahr. Mehr als eine Stunde führte der Camino so durch die Landschaft. 
Blick zurück auf Tineo
Der Nebel hält sich noch an den Bergen
Dann ging es vom Hang weg in einen Wald. Noch immer war es sehr angenehm zugehen. Die Höhenmeter fielen kaum auf, die Temperaturen im Schatten waren sehr angenehm und bisher hatte ich keinen anderen Pilger gesehen. Ein ruhiger und schöner Start in den Tag.
Pilger im Hohlweg
im "Tunnel"
Dann schloss ich doch zu einem bekannten Gesicht auf. Es war Gaetano, den ich bereits von der erste Etappe kannte. Doch heute gingen wir zunächst nur sehr kurz zusammen.

Er erzählte mir, dass er die „anderen Deutschen“ getroffen hat und dass man ihn nach mir gefragt hat. Ich denke, es werden wohl Wolfgang und Simone gewesen sein. Nach diesem kurzen Gespräch trennten wir uns auch schon wieder mit einem „buen Camino“.
matschig war es auch heute!
Nach dem Wald war der kühlende Schatten verschwunden. Ich lief nun an Feldern und Weiden entlang. 
die "Ruhe vor dem Sturm"!
Dann sah ich in der Ferne eine Frau winken und rufen, aber ich konnte nicht erkennen wer es war, also winkte ich freundlich zurück. Beim Näherkommen, erkannte ich zunächst vor mir vier Rinder, die ihre Hörner auf mich richteten. Nun war auch klar, dass die Frau nicht freundlich gewunken hat, sondern mich warnen wollte. Sie deutete mir an, mich hinter sie zustellen. Gesagt getan und die Rinder zogen weiter. Dann erklärte sie mir, dass noch mehr Viecher kommen würden und ich warten solle.

Die vier Rinder liefen nun auf Gaetano zu. Die Frau warnte und deutete ihm, er solle stehen bleiben. Dass funktionierte aber nicht. Und kurz bevor die Tiere Gaetano erreicht hatten, bogen sie in eine Wiese ein. Dies war wohl das, was es zu vermeiden gab, da die Frau nun fast verzweifelte. 

Nun deutete ich Gaetano, dass er zu mir kommen solle, während die Frau hektisch telefonierte. Mittlerweile war die restliche Herde da, gefolgt von einem Auto. Der Weg war wieder frei für uns und die Frau dankte uns für unser Verständnis.

So gingen wir nun weiter des Weges. An der folgenden Kreuzung sahen wir keine Wegmarkierung und entschieden uns daher, weiter geradeaus zu gehen.

Die Weg führte wieder in den Wald. Es ging bergab und Gaetano war wirklich zügig unterwegs. Als wir nach 10 Minuten noch immer keine Wegzeichen sahen, kamen uns Zweifel, ob wir noch richtig sind. Ein Blick auf Gaetanos App brachte die Bestätigung. Die Richtung stimmte, aber wir waren richtig weit weg vom Weg. Da wir nicht zur Kreuzung zurück wollten, suchten wir nach einer Alternative. Und es gab wirklich eine. Wir beschlossen über Oubona zu gehen und am Kloster zu stoppen. 

Unser „Verlaufen“ wurde ganz schnell zu einer richtigen Wegalternative! Ich wollte eh zum Kloster und brauchte so keine 400 Meter hin und auch keine 400 Meter wieder zurück zu gehen. Zu mal auch „unser“ Weg richtig super war. Tolle Ausblicke und viel Schatten inklusive!

So kamen wir auf direktem Wege zum Kloster. Nur eine Bullterrier versuchte uns noch am letzten Schritt zu hindern. Aber das aggressive Tier konnte ich in die Flucht schlagen, in dem ich mich ruckartig umdrehte und mit Gebrüll auf den Kampfhund zulief. Es funktionierte und das Tier rannte weg. Gut so, einen Plan „B“ hatte ich auch nicht.
Kloster
Klosterinnenhof
Am Kloster legten Gaetano und ich eine Pause ein und schauten uns in den frei zugängigen Ruinen um. Vor vielen Jahren muss dies ein gepflegter Ort gewesen sein. Heute ist nur noch die Kirche in einen guten Zustand. Dies konnten wir zumindest durch einen Spalt in der Tür erkennen.

Wir setzten, nach der Besuchtigung, unseren Weg zusammen fort. Da es aber bergauf ging, ließ mich Gaetano mein Tempo laufen.
Pilger bei seiner Lieblingsbeschädtigung
Der Weg führte noch eine ganze Weile durch einen Wald, dann jedoch eine ganze Zeit auch an der Straße entlang. Die Sonne brannte sehr, so dass ich mich kurz in einem Bushaltestellenhäuschen ausruhte.
Pause an der Bushaltestelle
Nach der kurzen Verschnaufpause, ging ich weiter. In Campiello traf ich dann auf Susanne, Wolfgang und Simone. Wir machten gemeinsam Mittagspause und ich besorgte mir noch Wasser und zwei Bananen für den morgigen Tag.

Gegen 14 Uhr gingen Susanne und ich zusammen weiter. Wolfgang und Simone blieben die Nacht in Campiello. 

Es war noch heißer geworden, aber es war auch nur noch eine Stunde zu gehen. Nach einem Straßenabschnitt führte der Weg wieder durchs Grüne. Es ging teilweise recht steil aufwärts, aber der Schatten ließ die Anstrengungen erträglich werden.
fast geschafft!
Gegen 15:30 Uhr waren wir dann in Samblismo, einer Herberge mit nur 6 Schlafplätzen, die erst vor 14 Tagen eröffnet wurde.
Albergue Samblismo
Fenster mit Aussicht (vom Bett aus fotografiert!)
Wir wurden freundlich mit einem Kaltgetränk empfangen. Nach dem Duschen und Waschen saßen wir, Susanne und ich, eine spanische Familie und eine Italienerin, gemütlich mit dem Hopitaliero, Xabi, draußen zusammen.

Es war wirklich sehr schön hier und nur 150 Meter vom Start der „Hopitales-Route“ entfernt. Wir hatten also den kürzesten Anlauf zur morgigen „Königsetappe“.

Am Abend gab es ein tolles gemeinsames Abendessen in gemütlicher Runde.
gemeinsames Abendessen

Erkenntnis des Tages: Wer vom Weg abkommt, hat sich nicht automatisch verlaufen!

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