Montag, 13. August 2018

2. Etappe – Salas

23,5 km: Grado, El Fresno, Doriga Cornellana, Quintana, Salas

Eigentlich hatte ich vor, erst um 7 Uhr aufzustehen, aber da hatte ich die Rechnung ohne meine Nachbarn gemacht. Der Wecker meiner Nachbarn klingelte bereits um 6 Uhr und war laut genug, um auch mich aus dem Schlaf zu reißen. Schon komisch, Zuhause schlafe ich wie ein Stein und hier höre ich plötzlich fremde Wecker!?

Nun ja, ich drehte ich mich noch mehrfach um und schaffte so die Stunde bis 7 Uhr noch im Halbschlaf zu nutzen.

Nach einem etwas übersichtlichen Frühstück zog ich gegen 8:30 Uhr los.
Der "Schattenmann"
Der Weg führte gleich mit einer Steigung aus Grado heraus, so dass mein „Motor“ schnell auf Betriebstemperatur kam. Das Frühstück war somit innerhalb weniger Gehminuten abgearbeitet.

Die Landschaft war so richtig schön. In den Tälern hielten sich die Nebelschwaden, bis es der höher stehenden Sonne gelang, den Nebel langsam aufzulösen. Ich finde, dass diese Momente in den früher Morgenstunden zu den Stimmungsvollsten zählen.
Der Nebel lößt sich auf!
Sonne über Grado
Auf dem zunächst höchsten Punkt angekommen, sah ich Wolfgang und Simone am Wegesrand sitzen. Ich nähere mich vorsichtig, da ich die Beiden nicht stören wollte. Freudig würde ich begrüßt und mir wurde versichert, dass es o.k. ist, wenn ich mich hinzusetzen wollte. Gerne nahm ich die Einladung an und wir genossen zu dritt die schöne Aussicht.

Nach einer Weile zogen wir dann auch zu dritt weiter. Da es bergab ging, war es kein großes Problem für mich, mit den Beiden mitzuhalten. 

Nach dem Abstieg ging es durch einen Wald. Der Boden war so extrem feucht, dass es mehr und mehr matschig wurde. Ich wurde langsamer und ließ zu den Beiden abreißen. So konnte ich mir meinen Weg durch den sehr rutschigen Abschnitt bahnen. 
Der Matschweg!
Insgesamt war es bis jetzt wieder eine sehr schweißtreibende Angelegenheit. Es sehr war schwül und es war der „Paul“ auf meinem Rücken. ;-)
Ups, „er“ schwitzt!
Zunächst verlief der Weg recht eben, bevor der nächste steile Abstieg kam. Sehr steinig und steil führte der Weg nun bis ins Tal herunter. Auch hier war große Vorsicht geboten! Nur nicht umknicken, sonst kann der Camino ganz schnell zu Ende sein. Die hohen Wanderstiefel boten mir zwar guten Halt, aber ein „Freibrief“ sind die Stiefel noch lange nicht. Letztlich kam ich unversehrt unten an. Eine große Hilfe hierbei waren auch die Treckingstöcke, die beim Ausbalancieren geholfen haben. 
Sehr steiler Abstieg!
Kurz vor Cornellana holte ich dann Wolfgang und Simone wieder ein. Ein kleines „Bedürfnis“ ermöglich mir den Überholvorgang. In Cornellana nahm ich dann nicht erste Bar direkt an einer Tankstelle, sondern die zweite Bar. Diese lag etwas abseits vom Camino und war zudem im Schatten.

In der Pause gab es ein Bocadillo mit Ei und Schinken, dazu gab es eine Cola und dies für gerade einmal 2,50 Euro.

Kurz nachdem ich die ersten Bissen  von meinem Bocadillo genommen hatte, waren Wolfgang und Simone da. Die Beiden hatten die selbe Idee mit der zweiten Bar. So verbrachten wir die Pause zusammen und hatten viel Spaß. Auf der Karte endeckten wir dann noch Frucht-Smoothies … mega lecker, frisch und für nur 2,50 Euro!

Wir wollten uns von dieser Bar gar nicht mehr trennen, aber wir mussten weiter. Die Beiden mussten noch in den nächsten Supermarkt und ich ging schon mal voraus.
gesehen: am Ausgang aus Cornellana
Das Kloster von Cornellana
Auf dem Weg traf ich dann auf Luciano. Luciano war 76 Jahre alt, Italiener und der Pfarrer von Udine. Er war für ca. 2.000 Personen in seiner Gemeinde tätig und hatte 6 Kirchen zu betreuen. Nebenbei, hat er, vor vielen Jahren angefangen, sich deutsch beizubringen. Aber was heißt angefangen sich deutsch beizubringen, man hörte nicht einmal einen Akzent! Nun gut, er sprach leise und langsam, aber hey, sein Deutsch war so gut wie perfekt. Luciano war so interessant, dass ich, trotz eines gemütlichen Tempos, bei ihm blieb, als uns Simone und Wolfgang überholten. Wir gingen über 1 ½ Stunden zusammen. Er wollte mit meiner Hilfe sein Deutsch verbessern und fragte mich z.B wann man „arbeiten“ oder „bearbeiten“ sagt. Auch erzählte er mir viel aus seinem Leben. 

Luciano wuchs mit 8 Geschwistern auf, er war der zweit Jüngste. Einige Brüder sind schon verstorben. Vor 5 Jahre fuhr er den Camino Francés mit dem Fahrrad in nur 14 Tagen.

Und dann erzählte er aus seinem Leben als Pfarrer. Es war wirklich ein tolles Gespräch mit einem tollen Mann. Er sagte mir, der Camino ist wie das Leben, mal geht es bergauf … es geht uns also gut; mal geht es bergab … es geht uns schlecht. Der Weg ist steinig … und auch im Leben geht es nicht immer glatt voran. Und der Weg ist teilweise eben … so wie im Leben läuft es dann einfach auch mal richtig gut. Oh ja, dass ist ein sehr schöner Vergleich!

So philosophierten wir über so viele Dinge. Man merkt wie Luciano seinen Beruf wirklich lebt. Gäbe er mehr Pfarrer wie Luciano, wären die Kirchen sicherlich voller und auch moderner!

Dann trennten sich unsere Wege, aber ich bin mir sicher, dass wir uns wiedersehen werden.
wieder allein Unterwegs!
Ich legte Weg bis Salas nun allein zurück. Genen 16:15 Uhr war ich dann in der Herberge. Nach dem Duschen und Waschen der Wäsche schaute ich mich im Ort etwas um. 
Die Kirche von Salas
vor der Kirche
Dann traf ich Susanne vom vorherigen Abend aus der Unterkunft in Grado wieder. Wir übernachteten heute in der selben Herberge. Gegen 19:00 Uhr hörte ich draußen vertraute Stimmen, Wolfgang und Simone unterhielten sich mit Susanne. Wir gingen dann gemeinsam zum Abendessen und waren pünktlich gegen 22 Uhr wieder in der Herberge.

Erkenntnis des Tages: Das Leben ist wie der Camino, es geht auf und ab!

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