Dienstag, 5. September 2017

17. Etappe - Calzadulla de los Hermanillos

27,9 km: Terradillos de los Templarios, Moratinos, San Nicolás, Sahagún, Calzada del Coto, Calzadulla de los Hermanillos


Die Nacht war angenehm. Entgegen der Ankündigung sind die drei Spanier doch nicht um 5:30 Uhr aufgebrochen, sondern haben sich bis 6:15 Uhr geduldet. Dann legt einer der Drei jedoch ein Plastiktüten-Raschel-Konzert hin … offenbar mit einer Zugabe. Nun ja, irgendwann hatte auch er es geschafft, seine Sachen zu verstauen. Als der Letzte raus war, stand auch ich auf und ging ins Bad. Schnell war die morgendliche Reihenfolge abgearbeitet und schon konnte das Packen beginnen. Auch Wiebke war zwischenzeitlich wach, so dass ich meine Sachen im Hellen packen konnte.

Dann war ich auch schon abmarschbereit. Heute bin ich in der Dämmerung alleine losgegangen. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und somit war es bereits ausreichen hell. 

Der Blick nach Hinten lohnt immer! Der Himmel war bereits rot gefärbt und so langsam kam der „Feuerball“ über dem Horizont empor.
morning has broken
Die Landschaft wurde in ein sanftes Rot gehüllt. Vor mir, konnte ich die für diese Region typischen Erdhäuser sehen. Auch diese erstrahlten in warmen morgendlich Farben.
Erdhäuser
In Moratinos schaute ich kurz in ein Bar rein, aber das Frühstücksangebot sagte mir nicht so zu, so dass ich beschloss 2 ½ Kilometer weiterzugehen.

Am Wegesrand begleitete mich heute zunächst nur mein Schafften. Das zunehmende Sonnenlicht wärmte mich bereits durch, so dass ich beschloss, mein langärmeliges Shirt auszuziehen. 
allein ... zu zwein!
In San Nicolás habe ich dann endlich eine Frühstücksmöglichkeit gefunden, die auch mir zusagte. Es gab einen Café con Leche grande und ein riesiges Bochadillo.  Nach einer ausgiebigen Pause zog ich frisch gestäkt weiter. 
ein Grieche kennt sich aus!
Der Weg führte zum Teil parallel zur Straße, aber zum Teil auch wieder durch die freie Natur.

Nach etwa 7 Kilometer kam ich, kurz vor Sahagún, zu einer Kapelle. Dort wird symbolisch die Mitte des Camino ausgewiesen. Ein von Rittern gesäumtes Tor weiß auf den „Centro del Camino“ hin. 
Centro del Camino
Nun hat der eine oder andere fix gerechnet und sagt sich … dass ich doch bereits zuvor die Hälfte des Weges überschritten habe, aber nein, die Spanier rechnen nur den Weg auf ihrem Territorium. Somit wurde hier nur ab Grenzüberschreitung gerechnet wird. Am Ende des Tages bin ich tatsächlich bereits über 440 Kilometer von 800 Kilometern unterwegs. 
Centro del Camino
Hier traf ich wider einmal auf George … der fleißige Leser kennt ihn bereit von der ersten Etappe. „Man oh man, George, Du bis schnell mit deinen 72 Jahren!“ Großen Respekt!!! Zusammen gingen wir nach Sahagún hinein und wir legten eine Trinkpause ein. Im Anschluss schaute ich mich etwas in Sahagún um, während George nach einer Möglich für eine kleine Mahlzeit suchte.

Sahagún bietet so Einiges zu sehen, aber je mehr Zeit ich mir lasse, um so heißer wird es zum Ende der Etappe werden. Also, nicht so viel trödeln und weiter. Noch fix ein Foto vom „Centro del Camino“ … diesmal in Sahagún und dann über die Brücke und langsam raus aus der Stadt.
Sahagún
Centro del Camino
Brücke (hinaus aus der Stadt

Der Weg aus der Stadt hinaus war anfänglich von einer schattenspendenden Allee gesäumt, bevor es dann offener und offener wurde. Ein Vorgeschmack, auf dass was heute noch kommen wird. 

Unter quasi dem letzten Baum, setzte ich noch einmal meinen Rucksack ab, nahm einen Schluck aus der Wasserflasche und Blickte anschließend wieder auf George … wo kommt der denn so schnell wieder her? Der Mann ist ein wahres Konditionswunder!

Wir beschlossen den Rest des Weges gemeinsam zu gehen. Wir hatten beide vor, die alternativ Route, die alte Römer-Straße (Calzada Romana) zu gehen.
Calzada Romana
George wusste so viel und so schön zu erzählen, so dass der weitere Weg sehr kurzweilig war. Ich erfuhr viel über das Wohnen in Australien, über die Geschichte Maltas und einige Anekdoten aus dem Leben eines 72 jährigen.
George und ich
Bevor wir nun endlich auf die Calzada Romana gewechselt sind, legten wir einen letzten Stopp in Calzada del Coto. Es ist einfach toll, welche positive Ausstrahlung George hat. Ich mag ihn und seine Geschichten.
Calzada Romana
Dann gingen wir auf die letzten 8 Kilometer und nach weniger als 1 ½ Stunden kamen wir in der flimmernden Hitze, in Calzadulla de los Hermanillos an. 

Dann verabschieden wir uns bis morgen und ich stolperte in meine Unterkunft und landete mit Marc aus Hamburg in einem 4-Bett-Zimmer, welches wir zu zweit belegten.

Danach das Übliche ... und anschließend noch zum „Supermarkt“ im Ort. Supermarkt ist natürlich übertrieben ... es war eine Tür in einem Wohnhaus. Dort gab es von der Zahnpaster bis zur Kartoffel einfach alles! Ein kleiner älteren Mann bediente hier mit großer Gelassenheit. Ich deckte mich mit Getränken und einer Banane für den nächsten Tag ein, da es morgen für einige Kilometer keine Ortschaft geben wird.
Supermarkt !?
Anschließend waren wir in gemütlicher Runde ,zu sechst, beim Essen. Ich hatte eine Melone mit Schinken als Vorspeise, dann Kasseler mit Salat als Hauptgericht und eine Zitronen-Mousse zum Nachtisch … sehr, sehr gut!

Anschließend ging es ab ins Bett!


Erkenntnis des Tages: Das Alter spiel auf dem Camino keine Rolle. Es ist die Einstellung, die über ein Ankommen entscheidet!

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