Die Nacht war sehr angenehm. Mittlerweile ist es ja schon fast normal, dass ich in meiner Softshelljacke schlafe. Aber allemal besser, als dass ich in der Nacht friere. Mein Schlafsack soll zwar bis 13 Grad im Wohlfühlreich liegen, aber ich habe da offenbar ein anderes empfinden, als mein Schlafsack.
Gegen 7:00 Uhr begann die übliche Unruhe im Schlafsaal. O.k. raus aus den Federn, durchs Bad und dann die Sachen zusammenpacken und los geht’s auf den Camino.
Ja, so soll es sein … kein Mensch ist um diese Uhrzeit zu sehen! Ich genieße die Ruhe und hoffe gleichzeitig, dass sich die Sonne schnell gegen die Wolken durchsetzen wird … jedoch … wird dass wohl noch dauern! Aber ansatzweise konnte man erahnen, dass es heute schön werden könnte.
| Wetteraussicht: gut! |
Der Weg führte leicht bergab und kurz vor Portomarin bot sich die Möglichkeit, einen „altersgerechten“ Weg zu wählen oder auf der historischen Route zu bleiben. Natürlich wählte ich die historische Route!
Nun ja, unter historisch verstand man wohl, dass an dem, Wegabschnitt seit den Römern, kein Handschlag mehr getan wurde. Es ging steil bergab. Die Trittsteine hatten zum Teil einen Höhenunterschied von fast einem halben Meter. Hier will jeder Schritt wohl überlegt sein. Also vorsichtig, ganz vorsichtig hinunter! Schön mit den Stöckchen abstützen und immer drei feste Punkte haben, so kann nichts passieren. Die Theorie beherrschte ich bereits und am Ende des Weges hatte ich auch den Praxistest bestanden.
| historisch, aber nicht altersgerecht! |
Der Blick war nun frei auf den Stausee von Portomarin. Aber was war das? Der Wasserstand war so niedrig, dass der See nur aus einer Pfütze bestand! O.k., ist wohl extra für die vielen Pilger gedacht, so dass man die Grundmauern der einstigen Stadt erkennen konnte. ;-) So war doch die Stadt zunächst im Tal entstanden und dann mit dem Bau des Stausees im See verschwunden und auf dem angrenzenden Hügel neu geschaffen worden.
| die Brücke über den Stausee von Portomarin |
Obwohl der clevere Pilger, direkt vor der Stadt nach links abbiegen könnte, ging ich in die Stadt, denn schließlich hatte ich ja noch nicht gefrühstückt. Auf der Hauptstraße angekommen, waren dort reichlich Frühstücksmöglichkeiten, jedoch hatte heute keine der Bar’s, Brot ... da ja Sonntag war. O.k. ist nicht zu ändern, so gab es halt einen Schokocroissant und eine Kaffee.
Nach einer Weile tauchte Stefano auf, der auch frühstücken wollte. Auch ihm war die Enttäuschen, wegen des fehlenden Brotes anzusehen. Aber auch er musste da durch.
Nach dem Frühstück ging ich dann weiter zur Kirche und sah beim Umschauen doch tatsächlich Max um die Ecke biegen! Max war in einer Gruppe mit zwei Mädels und einem Mann unterwegs. Die Vier haben ein gutes Tempo vorgelegt! Nach einer herzlichen Begrüßung wollte ich auch schon weiter, jedoch nicht ohne Thomas und Sarah, die nun auch angekommen waren, ‚Hallo‘ zu sagen. Dann machte ich mich wieder auf den Weg.
| Pilgerfigur vor der Kirche zeigt die Richtung des Camino an |
Ich passierte die Brücke im Tal und gelangte so auf die andere Seite.
Der Weg führte anfänglich durch ein Waldstück und anschließend wieder auf eine Lichtung. Zum Teil musste man auch direkt an einer Straße laufen. Na ja, so lange die Mischung stimmt, ist es o.k.!
Nach ca. 8 Kilometern legte ich in Gonzar eine weitere Frühstückspause ein. Diesmal gab es Eier mit Schinken und Pommes … o.k. die Kombi war nicht so gelungen, aber es war lecker und machte endlich satt. Thomas hatte mich derweil eingeholt. Wir unterhielten uns kurz und dann zog ich weiter. Nun lief mir Annette über den Weg, die die Alternativroute gegangen war. Ich sagte ihr, dass Thomas auch da ist und hier Pause macht. Sie ging daher noch einmal bei Thomas vorbei und ich zog weiter.
Die Ausblicke, die man zwischenzeitlich hatte waren schon sehr schön. Zurzeit befinde ich mich auf ca. 700 Höhenmetern, so dass sich der "Weitblick" natürlich erklärt.
Auch heute waren wieder viele Kleingruppen auf dem Weg. Zudem waren einige Jugendliche dabei, die mit lauter Musik den Weg entlang gingen. Es mag für die Jugend recht nett und beschwingt sein, jedoch wäre auch etwas Rücksicht angezeigt, denn schließlich hatte ich den letzten Tagen mehrfach Leute getroffen, die auch auf dem Weg beten und dies sollte doch in würdige Atmosphäre möglich sein.
An den Anstiegen blieben die jungen Leute etwas zurück, so dass auch dieses Kapitel nicht von langer Dauer war.
Die Wegemarkierung sind in Galizien häufig in Form der Granitsäulen zu finden, die das Muschelsymbol, die Kilometerangaben und einen Richtungspfeil aufweisen. Es gibt jedoch auch einmal eine historische Wegmarkierung zu entdecken.
| historische Wegmarkierung |
| übliche Wegmarkierung in Galizien |
Von nun an, war es nicht mehr weit zu der Herberge von Portos … nur noch 5 Kilometer dann bin ich da … oder?
Der Pilger-Tross schlängelte sich bergab.
| Pilger-Tross |
| ganz schön was los hier! |
Portos lag in einem Tal, in dem man, allein wegen der umliegenden Hügel, keinen Handyempfang hatte … und schon war ich da! Oder auch nicht, so stand doch auf einem Zettel im Fenster, in englisch: “Entschuldigung, wir haben geschlossen!“ … na toll … und nun???Weiter, was sonst … nächster Halt in gut 5 ½ Kilometern!
Nur gut, dass das Wetter trocken und leicht sonnig war. Weiter ging es, vorbei an sattgrünen Wiesen und an den ersten Eukalyptuswäldern.
Nur gut, dass das Wetter trocken und leicht sonnig war. Weiter ging es, vorbei an sattgrünen Wiesen und an den ersten Eukalyptuswäldern.
| sattgrüne Wiesen |
Besonders die jungen Blätter des Eukalyptusbaums entwickeln beim Reiben zwischen den Händen den typischen Geruch. Nur Koalabären wird man hier vergebens in den Bäumen suchen. ;-)
| Eukalyptuswald |
Eine gute Stunde später war ich dann auch schon in Palas de Rei. Dies ist wieder eine der Städte, mit denen ich mich nicht anfreunden kann. Es ist mir einfach zu groß und zu viel Trubel in der Stadt. Nach einen anstrengenden Tag, bevorzuge ich eher die Ruhe im ländlichen Bereich. Nun ja, der nächste Ort verspricht auch keine schönere Herberge und so blieb ich hier.
| Palas de Rei (Stadtwappen) |
| Pilgerfigur |
Auf dem Zimmer mit 12 Betten traf ich dann Annette wieder. Na nu? Wo hast Du mich den überholt? Die Antwort: “Hast Du es nicht Hupen gehört?“ Nein, hatte ich nicht. Da alle Herbergen vollständig ausgebucht waren, hatte sich Annette für die letzten 5 Kilometer ein Taxi genommen, da sie schon weitergegangen war, als sie wollte.
Nach dem Duschen und Waschen, gingen wir dann gemeinsam in der Herberge essen und hatten auch reichlich Weißwein zum Essen.
Es war recht spät geworden, als ich mich in meinem Schlafsack verkroch und schnell eingenickt bin.
Es war recht spät geworden, als ich mich in meinem Schlafsack verkroch und schnell eingenickt bin.
Erkenntnis des Tages: Auch wenn die Wunschherberge zu ist, wartet in der nächsten eine angenehme Überraschung!
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