Mittwoch, 13. September 2017

25. Etappe - Vega de Valcarce

29,8 km: Cacabelos, Pieros, Valtuille de Arriba, Villafranca del Bierzo, Camino Duro, Pradela, Trabadelo, Ambasmestas, Vega de Valcarce


Die Nacht war natürlich erholsam, gleichwohl die Wände sehr dünn waren und man hierdurch nicht ganz die vollständige Ruhe hatte. Aber wer will hier meckern, die Vorzüge eines Einzelzimmers sind schon überwiegend.

Jana und ich wollten uns in Villafranca del Bierzo treffen, daher ging es heute mal ohne Frühstück auf den Weg. In sanfter Dämmerung machte ich mich auf. Die Kühle der Nacht hing noch über der Landschaft. Erst mit der aufgehenden Sonne erwärmte sich auch die Luft langsam … sehr langsam!

Am Ortsausgang kam ich an einer Kirche vorbei, die gleichzeitig eine Herberge ist. Im Innenhof der Kirche stehen Kabinen zur Verfügung, in denen man zu zweit unterkommen kann. Da die Kabinen lediglich aus Holz sind, kriecht die Kälte in der Nacht unweigerlich mit in den Schlafsack. Nun ja, jeder wie er es mag!
Kirche und Herberge
Mein Weg führte einen Hügel hinauf. Dann gab es eine etwas undeutliche Wegkennzeichnung. Einige Pfeile deuteten an, dass man in die Weinfelder abbiegen kann. Die andere Alternative war, an der Straße entlang zu gehen. Also, eigentlich … keine Alternative … auf geht's, auf den schöneren Weg durch die Weinfelder … der zudem 1,6 Kilometer länger war!
Sonnenaufgang
Schon die ersten Meter deuteten an, dass der Weg durch die Weinfelder die richtige Entscheidung war. Die inzwischen aufgegangene Sonne tauchte die Landschaft in ein warmes Licht. Die Kontraste aus dem Grün der Weinpflanzen und dem gelblich braunen Ackerboden waren sehr schön anzusehen.
Weinfelder
Auf dem Weg durch die Weinfelder passierte ich auch zwei kleine „Weindörfer“ in denen gerade die Trecker mit Körben bestückt wurden, in denen der Wein geerntet wird, denn es ist Erntezeit. 

In Villafranca del Bierzo angekommen, setzte ich mich in das erste Cafe und musste feststellen, dass dies eine sehr gute Entscheidung war. Der Kaffee war super, die Bocadillos ebenfalls und der O-Saft wurde fisch gepresst.
Villafranca del Bierzo
Nach einer Weile tauchte Jana auf, sie hatte bereits „Paul“, der draußen wartete, erkannt und steuerte direkt auf mich zu. Tja, es ist schon von Vorteil, wenn man einen so auffälligen Rucksack, wie „Paul“ dabei hat. Wir saßen noch eine Weile dort, ich hatte bereits meinen zweiten Kaffee, als wir uns auf den Weg machten. 
Villafranca del Bierzo - Innenstadt
Beim Frühstücken hatten wir entschieden, dass wir heute nicht den klassischen Weg an der Straße gehen wollten, sondern, dass wir den "Camino Duro" gehen werden. 
Gut war, dass wir uns den Einstieg zum Camino Duro noch einmal im Reiseführer angeschaut hatten … zu leicht kann man hier an dem Abzweig vorbeigehen und läuft dann doch den ganzen Tag an der Straße  entlang.

Wir hatten aber aufgepasst und gingen den Weg steil nach oben! Hier stieg der Weg in kurzer Zeit von 470 Höhenmeter auf ca. 950 Meter an. Es galt somit knapp 500 Höhenmeter aufzusteigen. Schon nach kurze Zeit hatten man eine sehr schönen Blick zurück ins Tal, wo man die Umrisse von Villafranca del Bierzo erkennen konnte.
Parallel zum Camino Duro verlief die Autobahn und auch die normale Route. Von Zeit zu Zeit konnte man aus der Höhe, den einen oder anderen Pilger erkennen. Es war definitiv die richtige Entscheidung die Alternativroute zu wählen.
Autobahn im Tal
Der Weg war recht gut gekennzeichnet und auch gut begehbar.
Verlaufen? Unmöglich!
Nur Schatten musste man suchen bzw. finden! :-)
Schatten gefunden!
Kurz bevor es an den Abstieg und an die Rückkehr auf die normale Route ging, legten wir in einem Bergdorf eine kleine Pause ein. Hier hatte eine Familie eine Albergue geschaffen, die sich wohl auch komplett aus eigenen Erzeugnissen ernähren kann. Mehr Bio geht wohl nicht. Jana gönnte sich eine Frucht-Smoothe, der sehr, sehr gut war. Neben Früchten wurde auch Jogurt und Milch untergearbeitet.

Frisch gestärkt ging es an den Abstieg, der mindestens genauso steil war. So langsam ging mir das Wasser aus, aber Trabadelo, ein kleines Dorf, war rechtzeitig in Sicht. Im Dorf angekommen erfuhr ich, dass der örtliche „Supermarkt“ erst um 17:00 Uhr wieder öffnet. O.k., keine Option! Also rein in die nächste Bar und etwas zu Trinken gekauft. Dann konnte es auch schon weitergehen. 

Der Weg der nun folgte, war nicht wirklich schön. Ab jetzt führte der Camino wieder auf der klassischen Route, direkt parallel zur Autobahn. Na gut, da kann man nichts machen, also „Augen Links“ und durch … denn links begleitete einen ein Fluss und erweckte den Anschein, dass man sich mitten in der Natur befindet.
nicht schön ... aber ...
An machen Stellen war man jedoch mit der Wegführung etwas überfordert, da man eine Art von Bundesstraße überqueren musste und einem dicke LKW entgegen kamen. Lediglich auf den Leitplanken konnte man von Zeit zu Zeit mal einen gelben Pfeil entdecken. 

Wenn man parallel zur Straße ging, schütze uns noch eine breite Betonplanke vor den herannahenden Autos, gleichwohl machte es unseren Weg nur bedingt „schöner“.

Wir kamen noch durch kleinere Orte, immer begleitet von der Autobahn, die durch das Tal geführt wurde, bis wir endlich Vega de Valcarce erreichten. Ich hatte mich etwas von Jana abgesetzt und verschwand zunächst in einem Supermarkt und kaufte einige Getränke nach. Während ich vor dem Supermarkt auf einer Bank wartete, gönnten sich zwei Radpilger ein „Feierabendbier“. Wir kamen ins Gespräch und erfuhr von Joost und Birgit, dass sie in Bordeaux gestartet waren und Joost, der Holländer, weiter bis ans Mittelmeer wollte. 
Vega de Valcarce
Jana kam hinzu und wir verabredeten uns spontan um 19:00 Uhr zum Abendessen. 

Dann gingen wir zunächst in die Herberge. Nach dem Duschen und Waschen, half „Mutter Maria“ mit einem kostenfreien Schleudern und auch beim Wäscheaufhängen. Sie zeigte mir, wir ich die Kleidung am Besten aufhänge, damit ich, um die späte Uhrzeit, noch ne Chance habe, dass die Kleidung trocken wird.

Dann machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Dort kamen uns bereits Joost und Birgit entgegen. Ohne Reservierung war ein Abendessen nicht möglich. O.k. also, ab ins nächste Restaurant … es gab schließlich zwei, in diesem Ort. Dort jedoch das selbe Spiel … und nun??? Plan “C“ … ab in die nächste Kneipe! Dort gab es Tortilla und Bocadillos … und Bier! Trotz des eher ungewöhnlichen Abendessens hatten wir eine sehr angenehme Gesellschaft und haben so Einiges über das Radpilgern erfahren.

Gegen 22:00 Uhr machten wir uns auf den Weg in die Herberge. Dort hatte uns „Mutter Maria“ bereits die Wäsche ans Bett gestellt. Dass war sehr lieb von ihr, da wir die Wäsche glatt draußen vergessen hätten und die Klamotten zudem nicht mehr trocken geworden wären. Also … super nett von Maria, dass sie so hilfreich und fürsorglich ist!


Erkenntnis des Tages: Es gibt sehr nette Radpilger und einfach sehr nette und hilfsbereite Hospitaleros!

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