Samstag, 16. September 2017

28. Etappe - Mercadoiro

21,8 km: San Mamede, Sarria , Barbadelo, Marzán, Morgade, Ferreiros, Mercadoiro


Nach einer ruhigen Nacht, ging es zum Frühstücken. Im Gemeinschaftsraum lag alles bereit, zwar gab es kein opulentes Frühstück, aber doch von allem etwas und sogar Müsli mit Milch! Es war Selbstbedienung und so konnte jeder selbst entscheiden was er wollte. 

Da Peter auch gerade herein kam, frühstückten wir zusammen. Anschließend ging ich auch schon los. 

Es war nebelig und kühl! Auf den ersten knapp 3 ½ Kilometern bis Sarria, war um diese Uhrzeit noch nichts los … dies sollte sich aber schnell ändern.

Schon als ich nach Sarria herein kam, kamen aus fast allen Ecken der Stadt, Pilger mit winzigen Tagesrucksäcken. Jedes Geschäft wurde „gestürmt“, um ja einen Stempel für den Credential, also den Pilgerpass, zu ergattern. Mit derartig vielen Menschen hatte ich nicht gerechnet und verschwand erst einmal in einem Cafe.
Sarria im Nebel
Der jetzige Ansturm auf den Camino ist damit zu erklären, dass ab Sarria gepilgert werden muss, um die Compostella, die Pilgerurkunde, zu erhalten. Somit sind Kleingruppen unterwegs, die fortan auf Stempeljagd gehen … wobei, bei den Kurzstrecken-Pilgern zwei Stempel pro Tag, als Nachweis für den Pilgerweg, ausreichend sind.

Nach dem ich mich also auf die ungewohnten Menschenmengen eingelassen hatte, setzte ich meinen Weg fort. 

Da die Stadt Sarria bei mir keine große Begeisterung ausgelöst hat, war ich schnell wieder raus, aus der Stadt.

Eine kleine Brücke markierte den Übergang von der Stadt, in die ländliche Region. Es folgte bald ein stattlicher Hügel, der überwunden werden musste. Es jetzt wurde klar, dass sehr viele Menschen unterwegs waren, da sich regelrecht ein kleiner Stau bildete. Es war nur schwer durchzukommen, obwohl ich schneller gekonnt hätte … nun gut … nur Geduld!
raus aus der Stadt, rein in die Natur
Der weitere Abschnitt war relativ flach, so dass ich problemlos vorbei ziehen konnte. Nur werden meine Füße dieses Tempo nicht lange mitgehen können, da sich bei dieser Gangart, bei mir, schnell Blasen bilden können. Daher machte ich fortan kürzere Schritte … das fühlte sich auch besser an.

Nach knapp 8 Kilometern kam ich in dem Ort an, in dem Beamte nie ankommen können!? ;-) Aber für den Ruhestand ist es mir noch zu früh, so dass ich beschloss, einfach weiterzugehen.
nichts für Beamte!
In Galizien wird viel Mais angebaut, der in den eigens für dafür gebauten Speicher zum trocknen aufgehängt wird. Diese Speicher sind ideal, da sie so gebaut sind, dass keine Nagetiere an den wertvollen Inhalt kommen können.
Maisfelder
Maisspeicher, Nagetier sicher!
In Galizien kann man insgesamt sehr viel Landwirtschaft finden. Eine Besonderheit der Region ist auch der Kohl, der in die Höhe wächst und bei dem die schmackhaften Blätter in der Kohlsuppe landen. Sehr lecker und ein unbedingtes Muss in dieser Region!
galizischer Kohl
Das Wetter war zwischenzeitlich richtig schön geworden. Auch hatte ich die ersten Kurzstrecken-Pilger überholt, die sich zur Mittagspause in den Bar’s niedergelassen hatten. So konnte man den Weg nur wieder etwas besser genießen. Ohne Frage war die Strecke heute sehr schön und abwechslungsreich.
Dann kam ich zum 100-Kilometer-Stein. Diese Wegemarkierung zeigt an, dass es nun nur noch 100 Kilometer bis Santiago sind. 

Hier herrschte etwas Betrieb. Auch Aya traf ich dort wieder, die gleich angeboten hat, von mir ein Foto zu machen. Ja, natürlich … vielen Dank!
der 100-Kilometer-Stein
Keine 1 ½ Kilometer später hatte ich mein Tagesziel erreicht! 
Die Herberge in Mercadoiro gehört mit zu den schönsten und sicherlich auch zu den saubersten auf dem Weg. Der riesige Garten mit dem unendlichen Blick in die Landschaft und natürlich den Sonnenliegen, geben einem die Möglichkeit, sich bestens zu regenerieren. 

Nach dem Duschen und Waschen lag ich dann auch auf einer der drei Liegen. Die anderen beiden Liegen wurden von Annette aus Dänemark und Thomas aus Bielefeld belegt. Da Annette aus Billund stammt, spricht sie besser deutsch als englisch. Zu dritt genossen wir die Sonne, die uns mal wieder richtig durchwärmte.
Sonnenbaden
Von den Sonnenliegen gingen wir dann direkt zum Abendessen. Der rustikale Restaurantbereich war, durch alte Möbel und durch einen festlich eingedeckten Tisch ganz besonders. Zudem gab es eine Art Galerie, auf der weitere Gäste Platz fanden. 

Unser Pilgermenü bestand aus einer galizischen Suppe (1. Gang) und Schweinefleisch mit Salzkartoffeln (2. Gang). Dazu gab es wie immer Brot, Wein und Wasser. Das Essen würde natürlich mit dem typischen Mandelkuchen, Tarte Santiago, abgerundet. Ja, dass war ein leckeres Essen in einer mal lustigen ... mal philosophischen Runde. 


Erkenntnis des Tages: Es muss nicht immer im Pool gebadet werden, ein Sonnenbad reicht vollkommen aus!

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