Montag, 18. September 2017

30. Etappe - Arzúa

30,3 km: Palas de Rei, San Xulián, Ponte Campaña, Casanova, Melide, Boente, Ribadiso de Baixo, Arzúa


Die recht ruhige Nacht endete um 7:00 Uhr. Alle waren damit beschäftigt, möglichst schnell ihre Sachen zusammenzupacken. Annette war bereits länger wach und auch schon abmarschbereit. Sie sagte mit, dass es regnete. O.k. also kein Grund für mich zur Eile. Nach dem ich soweit alles zusammengepackt hatte, ging ich in aller Ruhe zum Frühstück. Aus Anlass des schlechten Wetters gönnte ich mir Eier mit Schinken, dazu einen O-Saft und einen Kaffee. Ich versuchte das Frühstück möglichst lange zu genießen, damit ich nicht in den Regen raus musste! ;-)

Als ich dann doch mit dem Frühstück zeitnah fertig wurde, hatte de Regen aufgehört! Nun ja, ich sag es ja immer wieder: … der Weg hilft! 

Da es aber recht kühl war, ließ ich meine Regenjacke gleich an. Nach kurzer Zeit hatte ich zur Pilger-Karawane aufgeschlossen und reihte mich bis zum nächsten Anstieg brav ein. 

Nachdem ich Palas de Rei hinter mir gelassen hatte, wurde es schnell ländlicher. Es ging zunächst ein Stück durch den Wald. Hier tropfte es doch ganz schön von den Bäumen so dass ich beschloss, den „Paul“ mit seiner Regenhaube zu verhüllen. Fortan sollte der Inhalt auch trocken bleiben.
Wald ... schön ... aber auch schön nass
Als ich aus dem Wald heraus kam, setzte dann doch der Regen ein. Von Paul und mir perlten die Tropfen ganz gut ab, jedoch entwickelten sich unter meiner Regenjacke, trotz Atmungsaktivität, saunahafte Zustände. Aber, kalt war mir in jedem Fall nicht!

In San Xulián legte ich eine Pause ein. Siehe da, Annette war auch schon da! 
Annette und ich
Zusammen nahmen wir uns die Zeit für einen frischen O-Saft und einen Kaffee. Auch Rosemarie gesellte sich zu uns, die ich gestern vor der verschlossenen Herberge in Portos getroffen hatte. Wir unterhielten uns ein wenig und merkten gar nicht, dass es langsam aufklarte. 

Ich zog dann schon mal weiter, da ich etwas schneller als die beiden Frauen bin. Die Wolken hingen weiterhin bedrohlich tief und es kann gut sein, dass sich der Regen noch einmal durchsetzt.
Wolken: Thema Nummer 1 am heutigen Tage!
In Ponte Campaña kam ich über eine der historischen Pilgerbrücken. Diese Art der Brücken wurden in historischer Zeit überall auf dem Weg errichtet, um den Pilgern das gefahrlose und trockene Überqueren von Flüssen zu ermöglichen. 
Pilgerbrücke in Ponte Campaña
Und nun war es auch so weit … es regnete erneut! Da es zeitweise durch den Wald ging, war der Regen noch zu verkraften. Wenn es nicht so schüttet bleiben die Schuhe wenigstens trocken! Ich hatte es ja schon erlebt, dass ein Gewitter über mir runterging und das Wasser an den Beinen hinunter in die Schuhe lief. Dann hat man einen unangenehmen „See in den Schuhen, der die Füße schnell durchweicht und den besten Nährboden für Blasen bildet. Darüber hinaus bekommt man die Lederstiefel anschließend nur schwer wieder trocken. Also, am Besten: zu viel Regen meiden!

In Melide angekommen, wurde der Regen dann auch weniger … 9 Kilometer Nieselregen reichen aber auch!

Die Stadt Melide gehört wieder zu den größeren Städten am Weg. Auch hier war ein alter Wegmarkierungsstein zu finden … 51 Kilometer bis Santiago … na, dass ist doch mal ein „pies of cake“! ;-)
 historischer Wegmarkierungsstein in Melide
Durch Melide bin ich nur durchgegangen. Wie üblich führt auch hier, der Weg an den Sehenswürdigkeiten vorbei.
 Kirche von Melide
Beim Verlassen von Melide setzte erneuter Nieselregen ein. Also wieder in die Jacke reingeschlüpft. So langsam geht mir der Regen auf den Keks! Aber natürlich kann ich auch so tun, als ob ich mich mit der Situation abgefunden habe … ich kann ja eh nichts ändern!
 Jacke an ... Jacke aus ...
Kurz vor Boente legte ich eine weitere Pause ein …und siehe da … der Regen stoppte. Sollte es heute immer in den Pausen nicht regnen? Na egal, die letzten 8 Kilometer schaffe ich auch noch! 

Beim Losgehen verstaute ich meine, mittlerweile von innen und außen gut durchfeuchtete Jacke, auf meinem Rucksack. Und wieder konnte sich die Sonne, in kleineren Wolkenlücken, durchsetzen. Die Landschaft sah hierdurch gleich viel schöner aus. Das satte Grün leuchtete quasi in der Ferne.
Sicht Sonne in  ... Wolken aber auch!
Dann überquerte ich eine der zahlreichen Brücken. Diese war zwar nicht historisch und sehr betonlastig, aber dafür war der Ausblick sehr schön … fast hätte ich mich für eine weitere Pause entschieden, aber hierfür war das Tagesziel zu nah!
schöne Flußlandschaft!
Schnell war nun Arzúa erreicht. Jetzt hatte sich die Sonne endgültig durchgesetzt und den Kampf gegen die Regenwolken für sich entschieden.
Pilgerfigur in Arzúa
die Straßen von Arzúa
In Arzúa bekam ich eine SMS von Annette. Annette konnte die Herberge nicht finden in der wir uns verabredet hatten und war daher wo anders untergekommen. Ja, dass ist in Arzúa tatsächlich en Problem. Die Stadt ist sehr langgezogen und verwinkelt. Zudem wimmelt die Stadt von Herberge, da hier die Pilgerwege mit den meisten Pilgern, der Camino Francés und der Küstenweg, zusammentreffen.
kleiner Park
  Kirche von Arzúa
Ich hatte eine der kleinsten Herbergen gewählt. Die Unterkunft hatte lediglich 20 Betten und war in einem sehr schönen alten Haus untergebracht. Die Herberge hatte alte Holzdielen, die im Laufe der vielen Jahr etwas aus der Waage geraten waren. Aber das wichtigste: es war sehr sauber und sehr gemütlich!

Zum Essen konnte ich Annette nicht erreichen, so dass ich in einem kleinen Restaurant gemütlich speiste und anschließend zurück zur Herberge ging. 


Erkenntnis des Tages: Die Sonne hat sich heute schwer getan, aber am Ende wird immer alles Gut!

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