Donnerstag, 7. September 2017

19. Etappe - León

19,6 km: Mansilla de las Mulas, Puente Villarente, Arcahueja, León

Die Nacht war gar nicht so verschnarcht wie befürchtet, jedoch war es durch die offenen Balkontüren bitter kalt geworden. Um nicht zu „erfrieren“ schupste ich die Flügeltüren, an dem schlief vom Bett aus mit einem Badelatschen zu. Jedoch war die zweite Doppeltür mit dieser Technik nicht erreichbar … aber ich hatte ja Stöckchen dabei! Gesagt getan … mal eben den Stock ausgefahren und schon war eine Fernbedienung für die Tür vorhanden und mein „Überleben“ gesichert.

Gegen 5:30 Uhr bimmelte das erste Handy zum Aufbruch. Nachdem der Besitzer, den Klingelton als den seinen identifiziert hatte, verstummte das technische Gerät endlich. Ich schaffte es mit großer Gelassenheit bis 6:30 Uhr liegen zu bleiben und dann stand auch auf.

Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Dämmerung noch nicht eingesetzt hatte. Also entschloss ich mich, noch in der Herberge zu frühstücken, zumal es draußen eisigkalt war. 
Mansilla de las Mulas
Dann ging es raus in die Kälte. Nachdem ich die Stadt hinter mir gelassen hatte, ging es schnurgeradeaus und auch noch parallel zur Straße. Ein leichter Wind von vorn, ließ die Temperaturen noch eisiger erscheinen.

Auf der linken Seite war der Vollmond zu sehen. Auf der rechten Seite, die aufgehende Sonne. Nicht schlecht, so früh unterwegs zu sein.

Nach einer Weile erreichte ich das 6,3 Kilometer entfernte Puente Villarente. Es war höchste Zeit für einen zweiten Kaffee zum Aufwärmen. Ich brauchte fast 30 Minuten, um von der Körperfarbe „blau“ auf „rosig“ zu wechseln. Dann musste ich weiter.
Puente Villarente
Der Weg war heute nicht so besonders schön. Die Stadt León kündigte sich bereits in den Vororten an. Neben dem ein oder anderem schönen Haus beherrschten weite Industriegebiete den Charakter der heutigen Etappe.
es ging durch das Industriegebiet
Hinter Arcahueja konnte man León am Horizont schon erahnen. Mit jedem Schritt wurden dann die Umrisse der Stadt deutlicher. Dann tauchte eine Pilgerbrücke auf. Allerdings keine der modernen Brücken, die seit hunderten von Jahren den Pilger über einen Fluß helfen, sondern hier handelte es sich um eine moderne Fußgängerbrücke aus blau gestrichenem Metall, die dem Pilger das überqueren einer Art von Autobahn ermöglichen sollte. Auf de anderen Seite der Brücke angekommen, war León erreicht. 
moderne Pilgerbrücke
Der weitere Weg führte durch zahlreiche Straßen einer klassischen Vorstadt. Nach unzähligen „gelben Pfeilen“ bin ich im historische Teil der Stadt angekommen. Die alte Stadtkern war dann auch viel belebter. Unzählige Touristen, Pilger und einheimische tummelten sich in der Stadt. 

Zunächst huschte ich noch in einen kleinen Laden und kaufte eine Sandwich und einen O-Saft. Nur noch um eine Ecke und dann öffnete sich der Blick auf die Kathedrale. Es ist sehr imposant zu sehen, wie sich ein über Jahrzehnte oder Jahrhunderte entstandenes Bauwerk aus dem Zentrum des Platzes erhebt.
 die Kathedrale von León
Zudem war heute das Wiedersehen mit Jana. Wir hatten uns zwischen 11:30 Uhr und 12 Uhr auf dem Platz vor der Kathedrale verabredet. Da ich Jana jedoch nicht sehen konnte, nahm ich mit meinem Frühstück auf einer Bank platz und schaute zunächst mal auf mein Handy … da stand: „Komm mal eine Bank weiter!“ O.k. des Pilgers Augen sind wohl nicht die Besten, hab ich die „Kleine“ ;-) doch glatt übersehen.

Nach einer herzlichen Begrüßung saßen wir noch einige Zeit vor der Kathedrale und beobachteten die ankommenden Pilger. Viele bekannte Gesichter waren dabei.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, ich geduscht und die Sachen gewaschen waren, schaute ich mit León an. Vor der Kathedrale traf ich Wiebke wieder. Wir verabredeten uns für 19 Uhr an selber Stelle zum Essen. Wer sonst noch Lust hat, soll kommen. Dann aus dem Hintergrund eine Stimme … „Hallo Marc!“ … was … nein, dass gibt’s ja nicht! Stand da Christian vor mir, den ich im letzten Jahr ebenfalls auf dem Camno getroffen habe. Was war das??? Zufall??? Na ja, wieder klingen mir die Worte Kajas – auch aus dem letzten Jahr – im Ohr, die immer gesagt hat, Zufälle gibt es keine. So langsam wird’s „unheimlich“.

"alte Bekannte"
Christian und ich beschlossen, den Stadtrundgang gemeinsam zu absolvieren. Er erzählte mir, dass auch er vom Camino nicht genug bekommen kann und daher … einfach nochmal los ist. O.K. habe ich ja auch so gemacht. ;-)

Gegen 19 Uhr waren dann sehr viele dem Aufruf zu einem gemeinsamen Abendessen gefolgt und wir zogen in großer Runde zur Plaza Major. Schnell ein paar Tische zusammengeschoben und schon war die lange Tafel fertig. Auch die beiden Schwestern Femke und Ester waren zusammen mit Hanna zur Gruppe gestoßen. 
große Runde: Jana, Jakob, Pablo, Timo, Max, Hanna, Ester, Femke, ich, Christian, Wiebke, Natalie (gegen den Uhrzeigersinn)
Plaza Major
Kathedrale von León ... bei Nacht
Es wurde viel gelacht, geredet und getrunken. Erst gegen  viertel nach zwölf waren Jana und ich zurück im Hotel.



Erkenntnis des Tages: Eine spontane Zusammenkunft in großer Runde führte zu einen sehr sehr schönen Abend!

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