Donnerstag, 14. September 2017

26. Etappe - Fonfría

25,2 km: Vega de Valcarce, Ruitelán, Herrerías, La Faba, Laguna de Castilla, O Cebreiro, Hospital da Condesa, Alto do Poio, Fonfría

Da es in der Herberge nicht so voll war, war es entsprechend ruhig im Schlafsaal … ja wäre nicht das Pärchen im Zwei-Bettzimmer gewesen, welches um 4:30 Uhr zur Toilette musste und mal eben das Licht in ihrem Raum angelassen und die Tür voll geöffnet hatte, so dass alle anderen auch ausreichend Licht hatten. Ganz schön rücksichtsvoll … eine kleine Taschenlampe, eine Stirnlampe oder auch das Handy hätten den Weg ebenso gut ausleuchten können. Nun ja, Rücksicht sollte nicht nur von jung nach alt, sondern auch umgekehrt funktionieren, zumal die Blasenschwäche sicherlich auch daheim keine große Überraschung ist.

Ich tat mich folglich etwas schwer mit dem wiedereinschlafen … so dass ich morgens etwas müde war. Egal, es muss ja jeden Tag weitergehen. 

Es war noch etwas dunkel, als wir die Herberge verließen, aber die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, so dass die Orientierung nicht sonderlich schwer fiel. Da wir ohne Frühstück losgegangen waren, machten wir in Herrerías einen Stopp. Heute gönnte ich mir mal etwas, da das Abendessen eher mager war, es gab heute Rührei, Toast, einen Kaffee und einen O-Saft. 

Als wir wieder auf den Camino zurück sind, lief und Stefano quasi in die Arme. Wir gingen ein Stück zusammen. 

In Herrerías kann sich der Pilger, der nicht zu Fuß über die Berge möchte, ein Pferd mieten. Der Rucksack wird dann separat transportiert, so dass der Pilger hoch zu Ross und ohne körperliche Erschöpfung zum 1.286 Meter hohen O Cebreiro hinauf kommt.
Pferde helfen beim Erreichen des O Cebreiro's
Noch hatten wir die Hoffnung, dass das Wetter aufklaren könnte, da immer mal wieder blaue Flecken, an dem sonst sehr grauen Himmel zu sehen waren.

Der weitere Weg führte nun durch einen Wald und wurde steiler und steiler. Zusätzlich wurde der Aufstieg durch einen leicht feuchten und somit etwas matschigen Untergrund nicht einfacher. Auf dem Weg nach La Faba verloren wir die Kontakt zu Stefano. Trotz der kühlen Temperaturen war ich ziemlich durchgeschwitzt. 
steil bergauf!
Genau jetzt kam die Sonne heraus und leichter Nieselregen setzte ein. Folglich gab es auch einen Regenbogen zu bestaunen. 
Regenbogen in La Faba
Mit zunehmender Höhe verschwand die Sonne jedoch und dafür kam ein sehr kalter Wind hinzu. Die Wolken hingen mittlerweile so tief, dass wir die Feuchtigkeit richtig aufgesaugt haben.
die Wolken hängen tief!
Und dann erst kamen wir zum galizischen Grenzstein, der nunmehr darauf aufmerksam macht, dass wir fortan durch Galizien wandern. Nebelschwaden zogen durch die Kulisse und, weiterhin begleitet von dem eisigen Wind.
Grenzstein nach Galizien
Dann waren wir oben, oben auf dem O Cebreiro. Hier ist fast alles „künstlich geschaffen worden. Nur die kleine Kapelle ist historischen. Alle anderen Gebäude wurden hier in einer Art Museumsdorf, neu hinzugefügt. Auch die Straßen wurden so gepflastert, dass alles optisch eine harmonische Masse bildet. Wie ihr sicherlich bereits gemerkt habt, finde ich den Ort nicht so besonders. Aber auch hier, „scheiden sich die Geister“. Leandro zum Beispiel wollte unbedingt in O Cebreiro übernachten. 
die kleine Kapelle von O Cebreiro
die Straßen im "Museumsdorf"
Jana und ich gönnten uns eine heiße Suppe und einen heißen „Cola Cao“ zum Aufwärmen der durchgefrorenen Glieder. Die Suppe war nicht nur besonders lecker, sondern erfüllte vollständig ihren Zweck.

Nach einer ausgiebigen Pause zogen wir wieder hinaus in die Kälte. Der Weg verlief nun, auf einer wegalternative durch den Wald, anstatt neben der Straße. Der Weg war nicht nur schöner, sondern auch noch Windgeschützt. Zudem wurde es mit jedem Schritt den wir talwärts machten wärmer und sonniger.
Blick talwärts
durch den Wald

Als wir wieder auf dem „normalen“ Weg zurück waren ging es wieder hinauf, den schließlich hatten wir noch zwei Berge zu überwinden. Der erste war der Alto do San Roque mit 1.270 Höhenmetern. Gut dass die Sonne sich durchsetzen konnte, so dass wir nicht weiter frieren mussten. 
Pilgerfigur am Alto do San Roque
Um zum Alto do Poio zu kommen mussten wir noch einige kleine Orte durchqueren. Ich mag dies kleine Dörfer, hier hat sich scheinbar seit mehr als 100 Jahren nichts mehr verändert. 
Kirche (gesehen: unterwegs)
Problemlos erreichten wir den mit  1.334 Höhenmetern höchsten Punkt am heutigen Tage. Nun hatte man zu beiden Seiten des Berges einen phantastischen Ausblick … aber hier war noch immer nicht das Ziel unserer heutige Tagesetappe, also nur kurz hinsetzen … durchschnaufen … ein Getränk … etwas zu knabbern und dann ging es wieder weiter.
Ausblick!
Lediglich noch knappe 3 ½ Kilometer … und so war es dann auch … wir sind in Fonfría angekommen.
Fonfría
Die Herberge war sehr schön. Es gab einen Relaxbereich, zwei große Schlafsaale und eine Cafeteria. Gegessen wir im Nebengebäude, aber zunächst Duschen und Waschen.

Gegen 19:00 Uhr ging es dann zum Essen. Das Gebäude war einen galizischen Haus nachempfunden. Der runde Bau hatte ein Strohdach, war sehr hoch und … besonders schick. Für die Pilger war bereits eine lange Tafel eingedeckt und so kam eine Gruppe von ca. 40 Personen gemeinsam zum Essen zusammen. 
gemeinsames Abendessen
Ja, und dann wurde aufgefahren … die Vorspeise bestand aus einer galizischen Kohlsuppe, die in großen Terrinen gereicht wurde. War eine Terrine fast leer, wurde diese von der nächsten ersetzt, so kam es, dass ich glaube ich drei Teller Suppe hatte und … das war erst de Vorspeise. Zum Hauptgang gab es Reis, mit Gulasch, Erbsen, Pilzen und Paprikaschoten … wohl auch ein galizisches Gericht. Die Hauptspeise stand der Suppe in nichts nach. Und auch hier galt … ersetzt wurde dass, was fast leer war. Zum Nachtisch folgte eine Tate Santiago, ein Mandelkuchen, der mit Puderzucker bestreut ist … hiervon gab es jedoch pro Person nur ein Stück. Allerdings gab es noch um Essen Wasser und Wein kostenfrei hinzu. 


Erkenntnis des Tages: Eine einfache Suppe, bringt das Leben in die kalten Glieder zurück!

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