Sonntag, 18. September 2016

20. Etappe - Mansilla de las Mulas

25,1 km: Calzadulla de los Hermanillos, Reliegos, Mansilla de las Mulas


Gestern hatten wir noch ein leckeres Pilgermenü in geselliger Runde. Neben Ben und Jezz, waren auch Gordon und Carol, Louis, Günter und ich mit von der Partie. Als Vorspeise hatte ich Melone und Schinken … wie sich herausstellen sollte … die Beste Vorspeise aller bisherigen Menüs. Gegen 21 Uhr, eine für Pilger normale Uhrzeit, ging es aufs Zimmer. In unserem 4-Bett-Zimmer schlummerten bereits unsere Mitbewohnerinnen, zwei Australierinnen, zwei Schwestern jenseits der 60 Jahre.

Dadurch, dass wir uns nicht auf dem üblichen Weg befanden, sondern auf der alternativ Route, gab es für 18 Kilometer keine Möglichkeit irgendwo einzukehren. Wir frühstückten daher in der Herberge, bevor sich Louis und ich auf den Weg durchs „Nichts“ machten. Genau gesagt gingen wir auf der alten, bzw. historischen Straße der Römer, der „Calzada Romana“, von der jedoch nur ein kurzes Teilstück im Original erhalten ist.
Calzada Romana
Wir startete  gegen 8 Uhr. Der Vollmond leuchtete von vorn und die Sonne begann gerade in unserem Rücken aufzugehen. Auf unserem Weg schlossen wir schnell zu Ben und Jezz auf. Wobei Ben weiterhin erheblich Schmerzen, wegen einer Entzündung im Schienbeinbereich haben muss. Wir gingen kurze Zeit zusammen und setzten uns dann relativ schnell ab.
Morgendstimmung
Auf der recht flachen Strecke kamen wir gut voran und genossen die sich ständig wechselnden Farben der Natur. Das morgendlich weiche Licht, sorgte immer aufs Neue für wundervolle Ausblicke.
Auch ein Schäfer mit seiner Herde und seinen fünf Hunden sorgte für ein sehr schönes Fotomotiv und eine besondere Abwechslung auf dem Weg.
Zwischendurch musste natürlich auch Zeit für ein zweites Frühstück sein. Auf einem angrenzenden Feld rollte ich an einem Strohballen meine Iso-Matte aus und wir setzten uns entspannt in die wärmende Sonne. Eine Banane, ein paar Kekse und etwas Wasser reichten uns, um den "Akku" aufzufüllen. Unfreiwillig wurden wir gleichzeitig zum Fotomotiv für die vorbei ziehenden wenigen Pilger. Wobei wir auch große Freude an dem "Foto-Shooting" durch die Mitpilger hatten.
Picknik im "Kornfeld" 
Frisch gestärkt ging es weiter. Die Landschaft wechselte etwas. Es wurde grüner. Auch ein kleines Wäldchen sorgte für eine Auflockerung der Landschaft.
Gegen Mittag kamen wir nach Reliegos, dem ersten Ort, nach dem großen Nichts. Um auf die Alternativroute zurück zu kommen mussten wir uns jedoch durchfragen, da die Kennzeichnung des Weges weder eindeutig, noch vollständig war. Kurz bevor wir auf die Strecke zurückgingen legten wir eine weitere Pause ein. Auch hier bot uns ein Strohballen eine angenehme Unterstützung.
3. Frühstück!
Zurück auf der Strecke gingen wir zügig und auch sehr gleichmäßig, so dass Louis anmerkte, dass wir "per Autopilot bzw. Tempomat gesteuert" sind. 

Es ist tatsächlich so, dass man sich auf gerader und flacher Strecke einen sehr gleichmäßigen Rhythmus angewöhnt, der auch akustisch durch die eigenen Schritte und das klicken der Stöcker getacktet wird.

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir dann unser Ziel, Mansilla de las Mulas, nahe des Innenstadtkerns, der im Gegensatz zu dem eher industriellen Charme der Außenbezirke, sehr historisch und auch hübsch war, da er innerhalb der alten Stadtmauern lag.
Masilla de las Mulas
ein Pilger!

Erkenntnis des Tages: „Eine Alternative, also wie die alternative Wegstrecke, kann auch durchaus die bessere Wahl sein.“