Gestern Abend war ich noch im Stadtkern von Pamplona unterwegs. Das übliche Touri-Programm und anschließend lecker Pinchos essen. Pinchos sind kleine Portionen, die in den Auslagen der Kneipen oder direkt am Tresen zu finden sind. 2,50 € pro Teller ist nicht nur ein fairer, sondern zudem auch sehr günstiger Preis. Zusammen mit dem einen oder anderen Bier habe ich mich für die Tagesetappe belohnt. Ein perfekter Tagesabschluss.
Es folgte eine sehr warme Nacht. Erst nach 23 Uhr wurde es kühler und ich konnte endlich einschlafen.
Mit kölscher Musik wurden wir von den kölner „Herbergseltern“, Wolfgang und Bernd, passend für eine deutsche Herberge, um 6.00 Uhr geweckt „… da sind wir dabei …“. Der Weck-Service wurde von allen gutgelaunt angenommen. Auch von den Pilgern, die aus anderen Teilen der Welt kamen. Die gute Stimmung setzte sich beim Frühstück fort. Ganz liebevoll wurden wir von den „Herbergseltern“ am Tisch mit Kaffee und Toast bedient. Es gab reichlich und ich genoss den Moment. Der Abschied war kurz aber herzlich. Die Beiden machen einen sehr guten Job!
In Pamplona versorgte ich mich mit einer Zwischenmahlzeit und einer Flasche Wasser. Dann ging es weiter! Der Weg durch Pamplona war durch silberne, im Asphalt eingelassene, Muscheln gekennzeichnet. Eigentlich kann man sich nicht verlaufen, jedoch in Gedanken versunken ging ich durch einen Park, statt dran vorbei. Ein Spanier fragte mich: „Camino Santiago?“ … ich antwortete: „Si!“ und dann zeigte er quer über die Wiese zum Fußweg. Ich habe mich eine ganze Zeit lange gefragt, woher er nur wusste, wohin ich gehe … immerhin ist Santiago noch über 700 Kilometer entfernt. ;-)
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich Pamplona hinter mir gelassen hatte. Dann begann der Weg nach oben … nach oben … wieso? Doch kein Flachstück? Hmm? Oh, ich soll heute über den Alto del Perdón … ups … ein Berg!
Nun gut … in den frühen morgen Stunden waren die Temperaturen zwar noch erträglich, jedoch setzte mir der Weg heute ganz schön zu. Bei der erste schattigen Bank habe ich das lecker Schinkenbaguette gegessen. Dazu ein Wasser und weitergehts. Der Weg wurde durch die höher stehende Sonne noch beschwerlicher. Dann ein Dorf und ein Brunnen … komisch … immer wenn man schwächelt, kommt „etwas“, was hilft. Das sollte sich heute noch mehrfach, auf sehr unterschiedliche Art wiederholen.
Hinter dem Brunnen war nach nur 100 Meter ein kleiner Shop. Also, hinein und einen halben Liter meines „Wasserspeichers“ auffüllen. Und weiter!
… hinauf! Die Schritte wurden kürzer, die gerade nachgefüllte Flüssigkeit zeigte sich auf der Hautoberfläche … ich schwächelte und eine Sonnenblume lächelte … häh? Keep smiling! Der Weg hilf auf ganz unterschiedliche Art … schon komisch dieser Zufall.
Weiter geht’s! Felder mit Sonnenblumen so weit man sehen kann. Leider waren die Sonnenblumen bereits ausgeblüht. Was muss das für ein Anblick in der Blütezeit sein? Nun ja … weiter hinauf zum „Alto del Perdón“.
Gegen 11 Uhr war der Gipfel erreicht … und ich geschafft. Gut, dass hier, aufgrund der Popularität des „Caminos“ bereits ein Verkaufswagen stand. Somit eine Cola und ein Wasser mit Zitrone hinein, in den müden Pilgerkörper. Die Pause tat gut. Der Blick war phantastisch!
Nach einer Verschnaufpause ging es weiter. Der Abstieg … auch nicht so toll, bei dem losen Geröll. Zudem gingen mir heute die Rad-Wanderer auf die … den Geist … bleiben wir mal an dieser Stelle „andächtig“. Ständig kamen die Räder von hinten und dies auf dem steilen schmalen Weg. Zudem war es aus meiner Sicht unnötig, die Pilger aus dem Weg zu klingeln. Nun ja …
Bergab war auch nicht weniger anstrengend als bergauf. Ich musste sehr aufpassen, mich nicht zu vertreten. Als die Konzentration langsam nachließ, kam eine Möglichkeit zur Rast. Eine Bank im Schatten. Hier traf ich die 20 jährige Anna aus Österreich … aus Wien. Wieder ein Moment in dem ich konditionell schwächelte. Wir beschlossen zunächst gemeinsam weiterzugehen, da auch sie in dem Moment ein kleines konditionelles Tief hatte. Zu Zweit lief es sich plötzlich wieder viel leichter und durch ein wirklich nettes Gespräch, kamen wir unbewusst schnell vorab. Und erneut hat der Weg geholfen.
In den kleinen Orten durch die wir kamen, gönnten wir uns mal eine kurze Pause und siehe da … nur etwas um 5 Kilometer bis Puente la Reina.
Am nächsten Anstieg wieder einer der Momente auf dem Weg, wo es quasi körperlich fast nicht mehr weitergeht und dann … kein Wunder, sondern ein, von uns auf 8 Jahre geschätzter Junge, der vor einer normalen Garage selbstgemachte Limonade, gegen eine Spende „verkaufte“. Unglaublich, du denkst es geht kaum noch weiter und dann diese! Sogar Stühle hatte er im Schatten der Garage aufgestellt. Nach dieser köstlichen Erfrischung gingen wir weiter.
Im Nu war Puente la Reina erreicht. … doch nur wo war die Herberge … ach nur über den Fluss und dann rechts … den Berg hinauf!???? Geht’s noch? O.k. die Herberge hatte einen Pool, also hinauf. Dann ein Wegweiser … oh oh … Wegweiser bedeuten nix Gutes … dann ist es doch noch weiter … es ging, nach zwei Kurven war sie da … die Herberge mit Pool!
| Puente la Reina |
Duschen. Waschen. Und zumindest die Beine in den Pool! Woau, kalt aber genau das Richtige!
Erkenntnis des Tages: „Der Weg hilft Dir, wenn Du Hilfe brauchst, schon irgendwie komisch!“