Wieder einmal waren wir nicht die Ersten, die sich heute morgen auf den Weg gemacht haben. Frühstück gab es im Aufenthaltsraum, zur Selbstbedienung.
Gestärkt machten Diana und ich uns leicht zeitversetzt auf den Weg. Heute wollten wir mal bis Sarria alleine gehen. Zur gewohnten Zeit, also gegen 8:30 Uhr war ich unterwegs.
Da wir von der Höhe nur auf noch auf 500 Meter waren, war es nicht mehr so kühl, wie noch vor Tagen. Leichter Nebel lag noch auf den Feldern und die Feuchtigkeit der Nacht lag noch in der Luft.
Sarria war schnell erreicht und dort wartete ich auf Diana in einem Kaffee am Wegesrand. Es war noch ein halbstündiger Weg durch Sarria, bis das historische Zentrum erreicht war. In einem italienischen Restaurant holten wir uns einen Stempel für den Pilgerpass, da einem niemand genau sagen kann, ob wir nun ab Sarria, also auf den letzten 100 Kilometern einen oder zwei Stempel Stempel benötigen, um die Compostela, also die begehrte Auszeichnung bzw. Bestätigung für die erfolgreiche Begehung des Jakobswegs, zu erhalten. Also werde ich ab heute mindestens zwei Stempel pro Tag sammeln. Da mein Pilgerpass ohnehin fast voll ist, hatte ich mir bereits einen zweiten besorgt, der von nun an mit zu befüllen ist.
| Kunst in Sarria |
| Sarria |
Wir überquerte eine Eisenbahnlinie und gingen mal wieder steil bergauf. Galizien zeigte sich auch auf diesem Teilstück wieder einmal von seiner hügeligen Seite. Durch den vielen Regen ist Galizien zu dem sehr grün. Viele Wälder und grüne Wiesen säumten auch heute unseren Weg.
| fast in Rente! ;-) |
| Lennard, Diana und ich (v.l.) |
| 100 Kilometer bis Santiago |
Es gab nicht einen Tag, an dem ich gezweifelt habe. Es gab nicht einen Tag an dem ich mich über die Anstrengungen beschwert habe oder an denen ich über Wehwehchen geklagt habe.
Für jemanden, der nicht auf dem „Weg“ ist, ist es eventuell nicht so einfach zu verstehen, aber wer erst einmal bis hierher gekommen ist, also bis zum 100-Kilometer-Stein, der hat bereits 700 beschwerliche Kilometer hinter sich und blickt mit großer Freude auf die letzten Wochen zurück. Freude über die eigene Leistung. Freude über die vielen tollen Menschen und Begegnungen und Freude über die Einfachheit wie das alles möglich ist. Einfach … mit 8 Kilogramm Gepäck … oder etwas mehr ;-) … man muss man nur losgehen.
Wer hier eine große Selbstfindung erwartet oder wer meint, dass er in der Einsamkeit der Meseta Lösungen findet, der wird sicherlich enttäuscht. Wer den Weg annimmt wie er ist, wird immer wieder schöne Momente erleben.
Eventuell ist es etwas früh für ein Fazit oder einen Rückblick, aber genau das hat mich heute beschäftigt. Genau das bewirkte der 100-Kilomter-Stein bei mir. Ein Stein … eine Zahl … ein Moment … einer von vielen Momenten auf dem Camino!
Beim Abendessen saßen wir erstmalig in einer großen Runde (ausschließlich deutschsprachig) zusammen. Eine Gruppe, die sich zufällig auf dem Weg getroffen hat und nun einen schönen Abend hatte ... das ist auch der Camino!
Erkenntnis des Tages: „Was für den einen nur ein Stein ist, ist für den anderen ein Gefühl!“