Dienstag, 13. September 2016

15. Etappe - Eremita de San Nicolás

24,3 km: San Bol, Hontanas, San Antón, Castrojeriz, Alto de Mostelares, Eremita de San Nicolás

San Bol war tatsächlich eine dieser wundervollen Oasen, die man auf dem Weg finden kann, wenn man die „größeren“ Orte meidet.

Zum gemeinsamen Abendessen gab es Salat, Paella und Wein bzw. Wasser. Es war ein sehr schöner Abschluss des Tages.
In den frühen Morgenstunden konnte ich vom Bett aus die Blitze erkennen, die über den Nachthimmel zuckten. Als ich dann aber, nach einer erholsamen Nacht, gegen 7:40 Uhr los kam, war es noch trocken.
In Hontanas legte ich die obligatorische Frühstückspause ein. Bei Café con Leche und einem Tortilla-Bocadillo kam Roswita um die Ecke. Wir unterhielten uns kurz. Sie wollte heute nur bis Castrojeriz, so dass sie auch vor dem angekündigten Regen ankommen wollte. Auch ich machte mich nach dem Frühstück auf den Weg.

An den Ruinen des Kloster San Anton kam dann sogar die Sonne raus … sollte der Regen wirklich ausbleiben? Ja, das wäre doch was. Es waren Unmengen an Regen vorhergesagt und nun war es trocken … gut so! Weiter so!
die Ruinen des Kloster San Anton
Kurz hinter San Anton lag bereits Castrojeriz. Hier traf ich in einem Kaffee auf Tabea und Louis, die bereits einige Zeit vor mit aufgebrochen waren. Eine willkommene Pause, in der wir wieder einmal viel über Kleinigkeiten gelacht haben. Nach der Pause gingen wir zu Dritt weiter. Tabea und Louis erzählten vom „Haus der Stille“ (la Casa del Silencio), welches in Castrojeriz sein sollte. Zwei ältere Damen konnten bei der Suche weiterhelfen. Das Haus hat eine offene Tür und ist für jeden zugänglich. Im Inneren des Hauses herrscht unbedingte Stille. Dieses Haus ist liebevoll und sehr detailreich eingerichtet. An den Wänden sind jede Menge Fotos zu finden unter denen Gedanken und Erkenntnisse zu lesen sind. An jeder erdenklichen Stelle des Hauses wird das „Auge“, von noch so kleinen Details eingefangen. Wir waren alle sehr von diesem Ort und der Idee eines solchen Orts beeindruckt.
Castrojeriz
Haus der Stille
Als wir Castrojeriz in Richtung unseres Tagesziels verlassen wollten, sahen wir eine dunkle Wolkenwand auf uns zukommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass es nicht der angekündigte Regen, sondern ein ausgewachsener Sandsturm war. Schnell suchten wir Schutz hinter einem der letzten Häuser in Castrojeriz und warteten dieses heftige Schauspiel ab. 
der Sandsturm
Mit Tüchern vor Mund und Nase versuchten wir uns gegen den feinen Staub zu schützen. Nach einem kurzem Abwarten gingen wir weiter.
Louis und ich ... mit Schutz vor dem feinen Sand
Am folgenden Anstieg zum Alto de Mostelares begann es dann tatsächlich zu regnen. Da Paul bereits gut verpackt war und die Regenjacke seit Tagesbeginn griffbereit lag, konnte es zügig weitergehen. Der Regen wurde heftiger und zudem sorgte der Wind für sehr kalte Temperaturen. Zum Glück befand sich am höchsten Punkt des Anstiegs, ein Unterstand, den wir zum Durchschnaufen nutzen.

Anschließend ging es das 18 %ige Gefälle hinab. Nur gut, dass der Teil des Weges betoniert war und wir mit Hilfe unserer Stöcke ausreichend Halt fanden.

Im Flachstück sammelte sich dann der Matsch zunehmend unter den Schuhsohlen an, so dass wir auf das angrenzende Feld ausweichen mussten. Mittlerweile setzte auch die Erschöpfung ein, zum Mal uns die Nässe und Kälte zuvor zugesetzt hatte. Nach den unglaublich heißen Temperaturen des Vortags war der Temperaturabfall, um fast 20 Grad wirklich extrem. Da mussten wir jetzt durch. Nur gut, dass wir uns gegenseitig motivieren konnten. 
Wir legten einen letzten Stopp ein, allein um uns auch noch einmal auf der Karte zu orientieren. Nach 20 Minuten war dann, gegen 15 Uhr das Kloster von San Nicolás erreicht. … geschafft … nicht nur die Strecke!
Kloster von San Nicolás
Entgegen der Beschreibung im Reiseführer gab es wunderbar warme Duschen und zudem eine sehr warme bzw. extrem freundliche Begrüßung durch die italienische Hospitaleros. 
nach dem Regen

Erkenntnis des Tages: „Ich mag keinen Regen!“