Mittwoch, 14. September 2016

16. Etappe - Frómista

16,7 km: Eremita de San Nicolás, Itero de la Vega, Boadilla del Camino, Frómista


Gestern war wieder einmal ein ganz besonderer Abend, in einer ganz besonderen Herberge. Schon obligatorisch, aber dafür immer wieder auf’s Neue sehr schön, ist das gemeinsame Abendessen. Zudem in dieser ganz besonderen Atmosphäre eines historischen Klosters. An einer langen Tafel saßen alle zusammen und erfreuten sich an Pasta, einer Art Kartoffelsalat und Melone. Dazu gab es natürlich Rotwein und Wasser. In Ermangelung von elektrischem Licht, es gab ja keinen Strom, fand das Essen im Kerzenschein statt, was die Stimmung nun noch zu steigern vermag. Als dann auch noch nach dem Essen auf der Gitarre gespielt und gesungen wurde, war es ein kaum zu steigerndes Erlebnis. Einfach sehr, sehr schön! Anschließend gingen alle ins Bett. Tabea, Louis und ich schliefen diese Nacht auf Matratzen unmittelbar vor dem Alta. Sicherlich auch ein nahezu einmaliges Erlebnis. So ging ein ganz besonderer Tag zu Ende.
die lange Tafel zum gemeinsamen Essen
Marcimo, Louis und Claire
Allgemeines Wecken war um kurz  vor 7 Uhr. Natürlich mit angemessener choraler Musik. Auch nach dem Frühstück gab es noch Musik mit Gitarrenbegleitung. Ein sehr schöner und unvergesslicher Aufenthalt, in einer ganz besonderen Umgebung, neigte sich dem Ende entgegen.

Gegen 8:15 Uhr brachen Tabea, Louis und ich unabhängig von einander auf, um auch den Tag und insbesondere den Abend, entsprechend zu verarbeiten. 
das Kloster beim Sonnenaufgang
Ich finde es extrem toll, wie es gerade, in den kirchlichen Einrichtungen, die ehrenamtlich tätigen Hospitaleros schaffen, in so kurzer Zeit eine so stimmungsvolle, würdige und auch herzliche Atmosphäre zu schaffen und auch auf die Pilger zu übertragen. Man fühlt sich sehr schnell geborgen und auch „heimelig“.

Unmittelbar nach dem Kloster kam man von der Provinz Burgos, in die Provinz Palencia. Wobei ich natürlich mich weiterhin in Kastilien befinde.
Der Weg für heute war kurz und nicht sonderlich anstrengend. Schnell war Itero de la Vega erreicht und auch ein weiterer Kaffee bestellt. Ich saß eine ganze Weile dort im Kaffee und träumte einfach mal so vor mich hin … muss auch mal sein. 

Dann rief mich der Weg zurück auf die Strecke. Am Ortsausgang grüßte die Vorbeiziehenden ein Schriftzug auf dem Haus mit dem üblichen „buen Camino“ … so sollte es ja auch sein … einen guten Weg und weiter geht’s …
"buen Camino"
Der Weg war heute angenehm flach, aber das Wetter doch ganz schön frisch. Zudem kühlte einen der recht heftige Wind etwas aus. Also, immer schön in der Sonne laufen! 
Der Weg führt am Kanal entlang, der im 18 Jahrhundert noch als Transportweg geplant war, jedoch ausschließlich zur Bewässerung genutzt wurde. Hier lief ich zu Martina aus Polen (lebt aber in London) auf. Wir kamen ins Gespräch und stellten nach einer Weile fest, dass wir außerordentlich zügig unterwegs waren.
Martina vermittelt in London Blindenhunde und hat viel Spaß an der Arbeit. Trainiert werden die Tiere von Speziallisten. In unseren Tempo waren wir schnell in Frómista angekommen. Nur noch über den Kanal in Höhe der Schleuse und schon war die Herberge im alten Bahnhof erreicht. Nett, aber auch sehr kalt hier.
Schleuse

Erkenntnis des Tages: „Ich brauchte tatsächlich mal etwas Zeit für mich, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten!“