Heute morgen hingen die Wolken so tief, dass die Motivation, früh loszugehen, nicht sonderlich groß war. Zudem regnete es leicht. Da unser Wirt leider wohl zwei Tage lang Zahnweh hatte, denn sonst kann es wohl keine Erklärung für die Anhäufung der Unfreundlichkeiten geben, zogen es Diana und ich vor, in der gegenüberliegenden Herberge zu frühstücken. Dort war bereits der Kamin an und wir waren willkommen.
Die Gemütlichkeit „zwang“ uns länger als gewollt dort zu verweilen, so dass wir erst gegen 8:40 Uhr losgekommen sind. Uns schloss sich Inga an, die aufgrund leichter Blessuren heute eine kürzere Etappe geplant hatte. Diana und Inga kannten sich bereits von früheren Etappen.
| Diana, Inga und ich (v.r.) |
Das ungemütliche Wetter konnte kein Stimmungsaufheller werden, aber dennoch kamen wir gut voran. Heute ging es von 1.334 Höhenmeter auf 495 Höhenmeter herunter. Das erste Teilstück war viel weniger anstrengend als gedacht. Es fühlte sich fast gar nicht steil an.
Nach einem kurzen Kaffeestopp kam so langsam die Sonne ganz zögerlich heraus. Um sich gegen die Wolken durchzusetzen bedurfte es allerdings etwas mehr an Ausdauer.
Die Ausdauer hatten wir Drei in jedem Fall und waren daher gegen Mittag bereits in Triacastela … ca. 12 ½ Kilometer waren geschafft. Ein gemütliches Restaurant am Ortseigang und auch die Sonne, die sich endlich gegen die Wolken durchsetzen konnte, haben zum Verweilen und zur Mittagspause eingeladen. Für mich sollte es zur Stärkung ein leckerer Tomatensalat sein. Wirklich eine feine Sache.
Hier traf ich auch die beiden australischen Schwestern wieder, die ich bestimmt, seit einer Woche nicht mehr gesehen hatte. Auch Ben und Jezz traf ich zum Ende unserer Pause wieder. Die Freude war groß, zumal es Ben zwischenzeitlich viel, viel besser ging und er keine Probleme mehr mit seinem Bein hatte. Wir mussten jedoch weiter. So verabschiedeten wir uns auch von Inga und nahmen die restlichen 15 ½ Kilometer in Angriff.
Der Weg war weiterhin gut zu gehen. Es ging zwar immer Mal bergauf, aber der Weg führte durch Wälder und vorbei an Wiesen. Es war so komisch, wir wechselten nicht nur die Provinz, also nach Galizien, sondern schlagartig wurden aus Getreidefeldern, grüne Wiesen und urige Wälder.
Trotz der langen Strecke, waren Diana und ich nun hoch motiviert, dass Tagesziel auch zu schaffen. Wir wussten, dass es ein langer Tag werden wird. Aber nach der Mega-Etappe bis Molinaseca, konnte uns das heutige Teilstück eher nicht stressen. Ohne Zweifel war es anstrengend und schweißtreibend, aber irgendwie pass das Tempo von Diana und mir so gut, dass wir problemlos vorankamen. Auch die Gefällepassagen und die immer wiederkehrenden Steigungen konnten uns nicht mehr so zusetzen.
Wir kamen immer wieder durch kleine und kleinste Dörfer, in denen die Viehwirtschaft unzweifelhaft dem Erwerb diente. Unverkennbar waren die auf den Straßen vorhandenen Hinterlassenschaften den Rindviechern zuzuordnen.
Am Wegesrand legten wir, gegen 16 Uhr, die letzte geplante Trinkpause in einem kleinen Kaffee ein. Dann hieß es, die letzten Kilometer bis nach San Mamede in Angriff zu nehmen.
Zwischendurch ergaben sich immer wieder tolle Ausblicke in die angrenzenden Täler und auf die umliegenden Berge.
Gegen 18:00 Uhr, also nach 7 Stunden und 20 Minuten erreichten wir die wirklich sehr schöne Herberge von San Mamede.
Bis zum gemeinsamen Abendessen hatten wir noch eine Stunde für Duschen und Wäsche waschen. Zum Abendessen war für alle eingedeckt. Es gab vegetarische Küche … o.k., dachte ich … hoffentlich werde ich auch satt. Der erste Gang bestand aus Linsensuppe … mag ich normalerweise nicht … aber ich hatte Hunger … und siehe da … es schmeckte … sicherheitshalber nahm ich sogar einen Nachschlag, nur sicherheitshalber versteht sich … ;-) Also weiter ging es mit einem „bunten Salat“ und unterschiedlichen Aufläufen … auch lecker … dann gab es noch einen saftigen Kokoskuchen und Obst … ich war papp satt. … hmm, geht doch und das ganz ohne Fleisch!
Wir blieben noch in einer größeren deutschen Gruppe beim Essen sitzen und klönten etwas, bevor es dann schlafen ging.
Erkenntnis des Tages: „Auch längere Etappen können mich nicht mehr schocken!“