Eine Nacht mit ausreichend Schlaf lag hinter mir, als ich mich gemütlich gegen 7:30 Uhr fertig gemacht habe. Anschließend habe ich mit Diana und Susann gefrühstückt, bevor Diana und ich gegen 9:00 Uhr aufbrachen. Susanns Erkältung ließ es weiterhin nicht zu, dass sie die Strecke zu Fuß bewältigen konnte. Sie nahm den Bus und hielt uns erneut die Betten frei, so dass wir uns nicht beeilen mussten.
Als wir losgegangen sind, war der Großteil der Pilgerschaft somit schon längst unterwegs. Der Weg stieg heute bereits die ganze Zeit an. Von 1.150 Höhenmetern sollte es bis auf knapp 1.500 Höhenmeter gehen. Naja, klingt nicht so dramatisch … aber der Weg entpuppte sich jetzt bereits als „steinig und schwer“ … ja, dieser Weg wird kein leichter sein …
Bei einer Pause in Foncebadón traf ich einen „alten Bekannten“ wieder ... Marc aus der Nähe von Hannover!? … nun ja, eigentlich aus Ost-Westfalen, aber so stellte er sich nunmal vor. ;-) Wir verbrachten die Pause zusammen und begannen die letzte Etappe zum Cruz de Ferro gemeinsam.
Der Weg war beschwerlicher als gedacht, dazu die Sonne die herunterbrannte. Gegen 12:45 Uhr hatten wir die ca. 8 Kilometer bis zum Cruz de Ferro geschafft. Dort angekommen stellen wir fest, das gerade eine Busladung Touristen angekommen waren.
Dieser für Pilger besondere Ort, hat im Laufe der vergangenen Jahre wohl viel von seiner Stille verloren. Hier, am Cruz de Ferro, legen die Pilger traditionell einen von zuhause mitgebrachten Stein nieder, den sogenannten „Sorgenstein“. Dieser Stein symbolisiert, dass man sich hier seiner Sorgen entledigt und von nun an etwas „unbeschwerter“ durchs Leben gehen kann. Natürlich hatte ich auch einen Stein aus meinem Vorgarten dabei und legte diesen am Stamm des Cruz de Ferro ab.
| mein Stein |
| Cruz de Ferro |
Nachdem uns doch noch ein ruhiger Moment vergönnt war, zogen wir weiter des Weges. Das Bergpanorama, welches sich uns zeigte, war fast unendlich. Traumhafte Ausblicke boten sich im Sekundentakt. Da Marc uns jedoch, wegen seiner Blasen an den Füßen nur sehr eingeschränkt folgen konnte, blieb er zurück und legte eine Pause ein. Diana und ich stolperten weiter über die staubigen Wege.
Nach einer Weile kamen wir zu einem „Einsiedler“, der im Nichts lebt und sich als Tempelritter fühlt … urig, aber schon etwas durchgeknallt. Ein kurzer Halt. Ein kühles Getränk … und weiter des Weges …
Wieder rauf! Wieder geröllig!
Noch können wir grinsen … noch …
Irgendwie will der Weg kein Ende nehmen! … ich bin müde … mir tun die Füße weh ... ich will nicht mehr ... gleichwohl bleibt die Landschaft wunderschön!
Wir versuchen uns gegenseitig zu motivieren. Es funktioniert … aber nur kurz … der Weg will einfach kein Ende nehmen. Mittlerweile hatte uns Marc auch wieder eingeholt. Bis El Acebo blieben wir zu Dritt. Dann ging Marc in seine Herberge mit Pool … und wir weiter!
Der Weg half wieder ein mal … auf den letzten mehr als 8 Kilometern … stand da doch geschrieben: ‚mach weiter‘ und ‚Du schaffst das‘ …
| der "Weg" hilft wieder einmal |
Der Weg ging immer weiter … bergab … die Knie schmerzten. Wir waren müde. Und immer noch mehr als 2 Stunden! Keep going!
| "immer vorwärts Schritt um Schritt, es gibt kein Weg zurück ..." |
Zu allem Überfluss musste uns jetzt auch noch eine Gruppe Mountainbiker zu Seite schubsen. Eine Frechheit! Wo sollten wir hin auf dieser steinigen Piste? Was erwarten die??? Sollen wir abrutschen und uns langmachen? Unglaublich!!! … und als sie vorbei waren, waren sie auf dem Bergabstück so schnell verschwunden … ich will endlich ankommen!!!
Es ging weiter. Ein kleines Wäldchen … und wieder rauf … und wieder runter … oh man, was für eine Anstrengung! Diana schlug sich trotz Kiebeschwerden prima! Taff das Mädel! Weiter so! Keep going! You got this!
Lust hatten wir schon lange keine mehr. Zu zermürbend war der Weg! Es war fast 19 Uhr … dann endlich … das Ortsschild … quasi aus dem Nichts … Molinaseca … ich war fast 15 Meter vor Diana, riss die Arme hoch und schrie: ‚Molinaseca!‘ … zu mehr reichte es nicht …
| Molinaseca |
Nun mussten wir auch noch durch den ganzen Ort, da die Herberge am Ortsausgang lag. Auch den Weg meisterten wir noch und waren da! 10 ½ Stunden! Anstrengender als die Pyrenäen!
Ohne Duschen gingen wir sofort zum Essen … dann duschen und dann ins Bett!
Erkenntnis des Tages: „Du schaffst das!“